30.7.14

Unterwegs

Mit dem Stromfahrrad in die Villa Sonnenschein, städtische Kindertagesstätte in Gladbach. Eine Stunde unterwegs. Jetzt übe ich schon viele Jahre nicht urteilendes Gewahrsein, aber immer noch gehen mir die Autos, die Leute, der Lärm auf die Nerven und suche mir Feld- und Waldwege aus, Hauptstraßen nur wenns nicht anders geht. Ich wollte mir das große Wandbild ansehen, das die in der Villa Sonnenschein ohne mich gemalt haben. Schön ist das geworden. Siehe ganz unten.

Ha!!

Noch einmal zu: Man kann Stockrosen nicht fotografieren. Man kann sie auch nicht zeichnen. Oder malen. Es gibt kein Bild, das sagt: So sieht eine Stockrose aus. Was für Stockrosen gilt, gilt auch für Königskerzen. Und für Lichtnelken, Löwenzahn, Häuser, Bäume und Menschen. Man kann nur das Sehen, das Ansehen, Anschauen von Stockrosen auf einen Bild sehen. Als ich einmal eine Stockrose angesehen habe. Wie lange seh ich sie an? Eine Sekunde?  Und dann weiß ich was es ist? Dann weiß ich den Namen von dem Ding? Und schon bin ich damit fertig? Kein Gefühl, kein Nachsinnen, kein: Was für ein Wunder? Ein Foto reicht für so ein mechanisch technisches Registrieren. Ein Polizeifoto. Länger hinschauen entdeckt etwas, die Phantasie erwärmt die Dinge, sie kommen in unser Herz. Dieses lange Hinschauen, eine Summe von vielen Augenblicken, entdecken von Details, zurück zum Ganzen, Einordnen... so müsste eine Vielzahl von Zeichnungen, oder auch Fotos, von so einem langsamen Anschauen erzählen. Ein Buch, ein Bilderbuch. Hokusai hat ja auch nicht den Fuji gezeichnet. Er hat ihn hundert mal gezeichnet. Der Fuji ist jedesmal anders. Du auch, ich auch. Alle Bilder von Hokusai erzählen uns: Wie ich mir den Fuji angesehen habe. 
Ein Hokusai Bild erzählt es so: Hokusai geht durch Edo, geht um ein paar Ecken, will einen Freund besuchen, und dann schaut er zwischen zwei Häusern hindurch und ruft plötzlich, mit lauter Stimme: "Der Fuji!!  Ha!!"   Und dann schaut er noch immer, schaut lange und dann ruft er nochmal: "Ha!!" Dieses "Ha" kann man sehen, wenn man sich Fujibilder von Hokusai anhört.

26.7.14

Savoir par coeur

Gestern bin ich den ganzen Tag im Garten gesessen und habe  Königskerzen gezeichnet. Stundenlang. Eine sehr kleine, einfache Königskerze wächst bei uns im Garten.  Zuerst technische Konstruktionen, architektonische Bauzeichnungen. Blütenformen, Blätter, Blattränder, Knospen, Stengel. Ich versuche die Pflanze auswendig zu lernen, savoir par coeur, mit dem Herzen wissen. Dann freies Zeichnen. Aus der Vorstellung, mit dem Bleistift auf dem Papier sich erinnern, die Blume neu entstehen lassen. Immer die Gleiche. Die von heute morgen, die in meinem Garten. Aber immer eine andere. Noch eine und noch eine. Zwanzig? Königskerzen sind es geworden. Dann die Farben. Gehört nicht der blaue Himmel dazu?
Dazu mein Lehrer, Gerhard Gollwitzer: "Dies alles ist oft reiner zu erreichen durch Zeichnen aus der Vorstellung. Vor der Natur gerät man leicht in Selbstbetrug. Man zeichnet nicht die inwendige, sondern die außenwendige Figur, nicht das, was man erlebt hat, sondern das, was man vor sich sieht, nicht das Wesentliche, sondern das Zufällige." Aus Freude durch Zeichnen, 1953

25.7.14

Auf jedem Foto, das ich von den Stockrosen mache, ist das Märchen, indem sie eigentlich mitspielen futsch.