28.6.16

Fahrradtour mit Hermann Hesse

Ich poste noch schnell ein paar Zeichnungen aus dem Skizzenbuch, dann geht es los, ich habe heute morgen überraschend Besuch bekommen, Hermann Hesse kam zum Frühstück und jetzt wollen wir zusammen eine Wanderung machen. Das heißt ich habe ihn überreden können, dass wir das Fahrrad nehmen, wir könnten hinten in den Fahrradtaschen alles was wir brauchen mitnehmen, könnten draußen zu Mittag essen, wir nehmen auch die Mal- und Zeichensachen mit und werden dann und wann eine Pause machen, irgendwo sitzen und uns die Welt anschauen, es ist schönes Wetter heute morgen, Sonne und ein erfrischender Wind und bevor es wieder anfängt zu regnen, werden wir wieder zu Hause sein. Wir haben wieder einmal uns erzählt, worauf es denn bei so einem Unterwegssein mal ankommen könnte und ich habe zu ihm gesagt: "Alles Sichtbare ist Ausdruck, alle Natur ist Bild, ist Sprache. Wir sind heute, trotz einer hoch entwickelten Naturwissenschaft, für das eigentliche Schauen nicht eben gut vorbereitet und erzogen und stehen überhaupt mit der Natur eher auf dem Kriegsfuß. Andere Zeiten, vielleicht alle Zeiten, alle früheren Epochen bis zur Eroberung der Erde durch die Technik und Industrie, haben für die zauberhafte Zeichensprache der Natur ein Gefühl und Verständnis gehabt und haben sie einfacher und unschuldiger zu lesen verstanden als wir. " Halt! Ich habe mich vertan. Das habe nicht ich  Hermann Hesse gesagt, sondern er hat es zu mir gesagt. Oder wars doch ich, der das gesagt hat? Ich habs vergessen. Ist ja auch egal. Hauptsache wir fahren jetzt los.

26.6.16

Draussen

Heute morgen ist es kalt draußen und wie ich da so sitze, merke ich plötzlich, dass mir das gefällt: Im Garten ein bisschen frieren.

24.6.16

Samstagmorgen

Samstagmorgen. Die schönste Zeit der Woche. Die Anderen schlafen noch. Keiner muss irgendwas, zur Arbeit, zur Schule oder sonstwohin. Ich stelle mir vor: so bleibt es den ganzen Tag. Zum Bäcker. Brötchen holen. Ein kühler, frischer Morgenduft. Die Bäume. Ein bisschen Nebel. Friedlich und still  die Straße. Allein unterwegs. Der freundliche Bus in die Stadt fährt vorbei. Wieder zu Hause: Kaffee und Marmeladenbrötchen und Zeichnen. Die Dinge erzählen von diesem Samstagmorgen.  Irgendwann gehe ich wieder nach oben und wecke die Liebste.

19.6.16

Prokrastination Teil 2

Ich drücke mich schon wieder vor der Arbeit. Und warum muss ich jetzt so ein paar kleine Skizzenbuch Kritzeleien hier posten? Warum reicht es nicht einfach über ein paar Häuser am Horizont einer Illustration nachzudenken und den Sonntagvormittag zu genießen? Die Antwort sagt wunderbar, mir aus dem Herzen und aus dem Verstand gesprochen: ROB DUNLAVEY

18.6.16

Prokrastination

So ausufernde Vorbereitungen auf die eigentliche Zeichnung, das Anfertigen von vielen Skizzen ist eine unbedingte Vorraussetzung für eine gute Illustration. Es kann aber auch sein, dass man sich damit  vor der eigentlichen Arbeit drückt. Die tanzenden Mäuse treten eigentlich nur im Hintergrund einer unbedeutenden Nebenhandlung der Geschichte auf.

Konditionierungen

Vor ein paar Jahren, ich glaube vor zwei, oder war es vor drei Jahren, waren wir am Meer. In Holland. Ja, ich weiß, man sagt, in den Niederlanden. Die ersten Tage wusste ich nicht recht, was mache ich jetzt hier, am Meer, am Strand, meine Frau sagt, du musst immer was machen, wir haben doch Urlaub! Ja stimmt. Und dann habe ich mich auf so einen Holzbalken von der Strandmole gesetzt, habe in den Himmel gekuckt und da fanden dann mit einem Male Schauspiele Shakespearscher Größe statt, und ich musste unbedingt alles aufzeichnen und ich habe den ganzen Urlaub so weiter gezeichnet, immer nur Wolken, zwei ganze Skizzenbücher voll und mit dem Zeichnen wurde der Urlaub richtig schön, das Wetter wurde schöner, die Stadt hinter dem Strand wurde schöner, das Zeichnen, das Meer, die Wellen, der Wind und auch die Menschen am Strand wurden immer schöner und auch ich wurde immer schöner. Und jetzt kommt es, wenn ich heute, nach all den Jahren wieder einmal diese weißen Wolken am Himmel sehe, dann fällt mir diese Zeit wieder ein und dann werde ich wieder  genau so glücklich, wie damals am Meer in Holland. Weiße Wolken und blauer Himmel und das reicht dir schon? Damit wirst du zufrieden und glücklich? Ja, irgendwie schon.

8.6.16

Geschenke

Jetzt wachsen in unserem Garten Pflanzen, blühen Blumen, neue Farben und Formen sind da und all das habe ich nicht gesät oder gepflanzt. Geschenke. Ich versuche dann zu googlen wie die Blumen heißen, finde sie nicht, aber muss ich denn die Namen wissen? Es könnte mir doch reichen das alles zu sehen. Im Februar, März sah unser Garten so leer aus, traurig und grau und ich habe viele neue teure Pflanzen gekauft.  Die sind jetzt auch  da, wunderbar, aber vielleicht wäre es schöner gewesen, mehr Vertrauen in den Garten zu haben. Mehr Vertrauen. Immer öfter erklärt mir mein Garten mein Leben.

6.6.16

Ein Experiment

Meine Rosenschere. Lag gestern auf dem Tisch neben mir. Ich habe sie mir genau angesehen und hatte den Wunsch dieses großartige Werkzeug zu zeichnen. Ohne Vorzeichnung, ohne Ausmessen, ohne Hilfslinien, ohne Korrekturen. Ein freier achtsamer Strich. Und dann hatte ich den Wunsch, die gleiche Rosenschere noch einmal zu zeichnen. Genauso wie beim ersten Mal. Verändert sich was, wenn ich sie noch mal zeichne? Fünf Mal habe ich sie dann gezeichnet. Ein Experiment. Ich weiß aber nicht mehr, was mir das erklären könnte, oder sollte, oder müßte, oder anders gefragt, ob ich nicht manchmal, oder oft, immer öfter vielleicht ein bisschen Banane bin. Na ja, geht schon.

2.6.16

Resonanz

Jetzt regnet es seit wieviel Tagen? Im Garten arbeiten geht nicht. Aber zwischen dem Regen gehe ich einmal raus, kucken was passiert ist. Mit Papier und Bleistift. So viel Neues hat der Regen gebracht, alles wächst in die Höhe, neue Pflanzen, neue Farben und Formen, Pflanzen, die ich nicht gesät, gepflanzt habe, die ich nicht kenne.  Lass das Geheimnis auch sein, erforsche nicht, was es sein könnte und lerne auf keinen Fall den lateinischen Namen, sei kein Botaniker, schaue einfach. Herrlich. Und wie das zeichen? Es geht nicht ums Zeichnen! Es geht ums Sehen, ums da sein, ein Versinken in die Dinge. Und dann habe ich gestern Abend wieder einmal zwei Seiten gelesen in "Resonanz", Hartmut Rosa, Eine Soziologie der Weltbeziehung, zwei, drei Seiten nur, mehr schaffe ich nicht, und da auf Seite 385 zitiert Hartmut Rosa Merleau Ponty: "Zwischen ihm (dem Maler, HR) und dem Sichtbaren kehren sich die Rollen unweigerlich um. Eben deshalb haben so viele Maler gesagt, daß die Dinge sie betrachten, wie Andre Marchand nach Klee bemerkt: In einem Wald habe ich zu wiederholten Malen empfunden, daß nicht ich den Wald betrachte. An manchen Tagen habe ich gefühlt, daß es die Bäume waren, die mich betrachteten, die zu mir sprachen. Ich war da und lauschte nur (.....). Es gibt tatsächlich eine Inspiration und Expiration des Seins, ein Atmen im Sein, eine Aktion und Passion, die so wenig voneinander zu unterscheiden sind, daß man nicht mehr weiß, wer sieht und wer gesehen wird, wer malt und wer gemalt wird."
Na ja, irgendwie so fühlt es sich an, da draußen im Garten, zwischen dem Regen, sehen, gesehen werden, zeichnen, Wind, Vögel, Sommerregenduft, Kirchenglocken weit weg, Autogeräusche.