20.9.18

Wildblumenwiese

Ich bin noch mal zu der Wildblumenwiese gegenüber dem Grünflächenamt gefahren. Halbe Stunde mit dem Fahrrad. Unterwegs eine lange Strecke nur vertrocknetes Gras, gepflügte Ackerflächen, Schotterwege, kaum Pflanzen, keine Blüten. Dann die Wildblumenwiese. 20 mal 8 Meter vielleicht. Am Straßenrand rechts neben dem Fahrradweg: Stauden, Gehölze. All das blüht immer noch. Ich habe am Rand ein bisschen mit den Fingern gebuddelt, ab 5-10 Zentimetern wird die Erde feucht. Geregnet hat es nicht. Ich habe mir vorgenommen, einmal in der Woche hinzufahren, zu kucken was sich verändert und zu zeichnen. Ich war heute morgen eine ganze Weile da und dann ist mir aufgefallen, ich habe nur eine Biene gesehen und einen Schmetterling. Die Sonne scheint,  100 verschiedene  Wildblumen, Bienen- und Schmetterlingsblüten. Wo sind die Bienen? Kann es sein, dass die Bienen nicht so weit fliegen können? Ringsum auf den Feldern gibt es keine Blüten. Wieweit können Bienen fliegen? Schmetterlinge? Ohne die Bienen ist mir die Wildblumenwiese mit einem Male merkwürdig, fast unheimlich vorgekommen. Mal nächste Woche kucken.

10.9.18

Bilder sind auch Gedichte. Besser: Bilder können auch Gedichte sein.

Zuerst wollten wir mit den Kindergartenkindern Weihnachtspostkarten drucken. Mit einem Gedicht dabei, einem Weihnachtsgedicht. Jedes Kind sucht sich ein Gedicht aus und sucht dann das Bild dazu. Die Karten wollten wir auf dem Weihnachtsmarkt der Kinderinsel verkaufen und von dem Erlös neue Bleistifte und Papier kaufen. Dann war uns Weihnachten als Thema zu eng und wir wollten Wintergedichte suchen und mit den Kindern Bildern dazu finden. Dann haben wir Erwachsenen viele Gedichte gelesen, die waren so toll, dass wir jetzt nur noch Gedichte, egal welche machen wollen. Abzählreime, Liedtexte, Selbstgedichtetes kann auch dabei sein. Und dann suchen wir dazu die Bilder. Und dann habe ich zu Hause schon mal angefangen, ein ganzes Skizzenheft voll gekritzelt und da habe ich gemerkt, Zeichnungen, Bilder sind ja auch Gedichte! Die Bilder müssen doch mit den Texten nicht verheiratet sein! Und jetzt wird es ganz einfach. Diese Woche lesen die Kolleginnen mit den Kindern jede Menge Gedichte. Ich habe auch viele Gedichte auf Zetteln ausgedruckt, die kann man verschenken, jedes Kind soll mal ein Hosentaschengedicht geschenkt bekommen. Und dann, nächste Woche richten wir auf der Kinderinsel in dem kleinen Werkraum eine obercoole Druckerei ein, und machen so was ähnliches wie Linolschnitte, ein herrliches, experimentelles Druckvergnügen wird es sein. Meine Güte, wenn ich mir ankucke wie viel komplizierte Überlegungen ich oft anstellen muss, bis ich auf eine einfache, lustige Lösung komme. Schlimm. 

5.9.18

Ein Gleichnis

Gestern habe ich doch meine kleine Gartenhandschere so gelobt. Ich habe drei Gartenscheren. Zwei sind richtig teuer gewesen. Ich glaube über dreißig Euro. Wenn du dir eine Gartenschere kaufst, dann kauf dir wirklich was Gescheites, haben die Fachgärtner gesagt. Bloß nicht so einen Billigschrot. Damit machst du dir alles kaputt. Die dritte Schere habe ich bei Tschibo gekauft. Oder bei Aldi? Könnte auch C und A gewesen sein, egal. Vor drei Jahren war das. Die C und A Schere ist die einzigste Schere, die es noch tut. Die anderen nicht.
Du musst die Scheren nur mal schleifen! Mit einem richtigen Schleifwerkzeug!
Hab ich gemacht.
Dann haste es falsch gemacht. Schau dir mal die Videos auf you tube an. 
Hab ich gemacht!  
Dann haste das falsche Video gesehen, ich schick dir mal den richtigen Link. 
Ich hab mir nix mehr angekuckt. Ab und zu schleife ich jetzt mal die Alditschibocunda Schere und die ist richtig super. 9,95 Euro. Ich finde diese Geschichte ist irgendwie ein Gleichnis oder eine Parabel. Oder eine Allegorie? Jedenfalls passieren mir dauernd solche Sachen.  

4.9.18

Meditationserlebniss

John Cage soll einmal gesagt haben, er habe die formale Meditation,  Za Zen hat er wohl gemeint, hat er aufgegeben und statt dessen würde er  die Blumen gießen. Ich habe ja auch irgendwann die formale Meditation aufgegeben, aber ich habe nicht genug Blumen zu gießen. Aber jetzt schon, vor dem Herbst, gibt es jede Menge Schnittgut und da setze ich mich in den Garten und häcksle das ganze Zeug in die grüne Laubtasche. Mit einer kleinen Handschere. Es ist nur so, ich brauche ungefähr 45 Minuten bis ich aufhöre nachzudenken, ob das, was ich mache sinnvoll ist oder was ich von den Ereignissen in Amerika halte oder warum meine Tochter keine Kartoffeln mag:  Hör mal  Ofenkartoffeln mit Apfelmöhrensalat sind doch wirklich lecker! Ja,  Papa, ich weiß, ich mag die aber trotzdem nicht! Ich überlege mir auch Strategien, wie ich es hinkriegen könnte, dass nicht immer ich  den Müll runterbringen muss und auch noch die Spülmaschine ausräumen! Ohne dass ich mit allen rummeckere. Und dann fällt mir ein Rezept ein, wie ich unsere Wiese, das Gras noch grüner kriegen könnte: Das ist doch Blödsinn, warum soll denn das Gras noch grüner aussehen! Und ganz viel denke ich drüber nach, was ich denn mal in meinem Blog schreiben könnte. Oder ob ich den Blog überhaupt weitermachen sollte, ob sich das lohnt. Wer kuckt sich denn das alles an!? Aber nach 45 Minuten schneide ich nur noch Zweige, Blätter, die grüne Tasche wird voll, die Gartenschere ist einfach wunderbar, ein kühler Wind, die Ölweide duftet wieder, zusammen mit dem Sommerflieder, im Hochbeet, am Salbei  und Basilikum hundert wilde Bienen......

2.9.18

Skizzenbuch

Wildblumenwiese

Eine Wildblumenwiese. Unterwegs gefunden. Sonst an allen anderen Wegrändern gelbbraunes Gras, kaum Blumen, dann plötzlich ein Streifen einer herrlichen Rabatte und gegenüber diese Wiese. Wunderschöne wilde Blumen. Aber sind es wirklich Wildblumen? Wieso wachsen an dieser Stelle auf einem total abgemagerten Sandboden nach diesem Sommer diese Blumen? Niemand würde es bis hierher mit einer Gießkanne schaffen. Und ein Wasseranschluss ist auch nicht zu sehen. Aber gegenüber ist eine Zentrale der Grün- und Straßenbetriebe der Stadt. Und dann an einer Stelle finde ich ein Plastikrohr, das in die Erde geht. Alles klar, da kann man einen dicken Wasserschlauch anschließen und in zehn Minuten ist das ganze Feld gewässert. Super!  Man kann an dieser Blumenwiese sehen, wie viel technischen und organisatorischen Aufwand selbst so ein Stück Garten braucht. Eigentlich ist es also gar kein wilder Garten , sondern ein hoch komplizierter Kulturgarten. Oder gibt es vielleicht gar keinen Unterschied zwischen Natur- und Kulturgarten? Müssen wir vielleicht mit viel Kultur, mit viel Wissen, viel Geld und Phantasie und auch mit viel Liebe die Natur erhalten und gestalten? Irgendwo habe ich mal gelesen, der Yellowstone Naturpark, ein Stück unberührte Natur, um diesen Park kümmen sich 150 fest angestelle Forstwissenschaftler?,  Biologen?, Gärtner? und sorgen dafür, dass das ökologische Gleichgewicht erhalten bleibt.

23.8.18

Skizzenbuch

Ein Ausflug. Über die Grenze, ganz in der Nähe, in die Niederlande. Eine Einkaufsstadt. Ich hatte extra mein Skizzenbuch mitgenommen, aber es gab dort nichts zu sehen, man konnte nur einkaufen. Man kann auch Reklame, Preisschilder und grelle, schrille Läden zeichnen! Ich nicht!! Und dann, in einem Straßencafe, der Blick nach oben, der Glockenturm des Rathauses, jede Stunde spielen die Glocken eine Melodie, die Musik wischt  all diesen Verkaufsirrsinn weg, die Figuren drehen sich, zeichne schnell, du kannst es ja zu Hause fertig machen!, ein Bote mit einer Pergamentrolle, der Bürgermeister?, ein Narr mit seinem Steckenpferd, das könnte doch ich sein!, ein Geistlicher und dann einer, den ich nicht kenne. Schleudert er Blitze? Ist ein Gott? Zeus? Nein. Ein Schmied?  Was ist auf der anderen Seite? In einer Stunde drehen sie sich wieder. Wir müssen aber weiter! Einkaufen!

19.8.18

Eine Geschichte von Lars, Friedrich und Erdmännchen

Was ist eine Geschichte? Ein Gedicht? Wie geht Erzählen? Wann ist etwas erzählenswert? Wir alle haben Vorlagen im Kopf, wie und was man erzählen kann und darf. Als unsere Pauline drei?, vier? Jahre alt war, hat sie mit Lego Friends gespielt, ein Bausystem mit einem ziemlich komplizierten Bauplan. Hat sie toll geschafft. Aber danach hat sie alles wieder auseinander gebaut und hat ihre eigenen Pläne, Geschichten sich ausgedacht. Es ging um ein paar Leute, die auf einem Schiff eine Weltreise gemacht haben. Als das Schiff fertig war, bestand sie darauf, mir die Geschichte von diesen Leuten auf Weltreise zu erzählen. „Du musst mir aber auch wirklich zuhören“, hat sie gesagt, „das ist eine lange Geschichte.“ Ich glaube zwei Wochen lang gab es jeden Abend eine Fortsetzung. Ich habe mir damals ihre Erzählweise, die einfache Art Sätze zu formulieren, den sprunghaften Gang der Ereignisse, und ihre Erzählfreude, ihre mäandernde Phantasie habe ich mir in einem Skizzenbuch notiert. Mit der Begeisterung, mit der sie erzählt hat, habe ich zugehört. Wie finde ich zu dieser Geschichte Bilder? Das die Bilder und der Text gleichberechtigte Freunde sind, wie die Freunde in der Geschichte? Kann das eine Pop Up Geschichte sein? Bedeuten mir diese Geschichten noch das Gleiche wie damals, heute, wo Pauline fast 10 Jahre älter ist? Können die Geschichten für andere, für andere Kinder eine Bedeutung haben? Ihnen Mut machen selbst zu erzählen?