25.2.15

Ein altes Haus unterwegs

Ich gehe da jeden Tag hin. Eine Stunde hin, eine zurück. Ich bemerke ein merkwürdiges Vergnügen auch bei heftigem Regen und bei Kälte unterwegs zu sein. Das alte kaputte Haus wird natürlich abgerissen. Kommt ein neues hin. Reparieren kann man das Haus nicht mehr. "Das lohnt ja nicht ", sagt eine Spaziergängerin, die da auch stehengeblieben ist, und ich sage: "War aber ein schönes Haus". "Och", sagt sie, "ein neues Haus ist doch viel schöner. Allein was die Heizung kostet bei einem alten Haus". Ja, ja, es geht euch immer nur  ums Geld. Schade.  Worum geht es mir? Warum muss ich da immer wieder kucken gehen? Was ist los mit mir? Ich habe diesmal Fotos gemacht, diesmal konnte ich das Haus nicht zeichnen.

I am invited. Wonderful.

“7th International Artist’s Book Triennial Vilnius 2015″ in the Leipzig Book Fair Time: 12-15 March, 2015 Location: Halle 3, H501, “IAKH: Globus Galerie + Edition Lebensretter”, Leipzig Book Fair Artists selected for the Exhibition in Leipzig:HIER

22.2.15

In der vergangenen Nacht hatte ich wieder einmal einen merkwürdigen Traum

Ich war ein König. Das Land war aber nur so groß wie ein Dorf. Ich freute mich sehr, dass ich endlich wieder auf dem Land lebte. Die Großstadt ist mir in den letzten Wochen und Monaten tierisch auf die Nerven gegangen. Mein Königsschloss war auch kein richtiges Schloss, es war mehr ein kleines Landhaus, hatte aber einen großen Garten. Endlich ein ganz großer Garten. In so einem großen Garten würde es mir bald besser gehen. Plötzlich fand ich meine Krone nicht mehr. Irgendjemand musste sie mir gestohlen haben. Mein  Diener sagte mir, dass ich ohne diese Königskrone nicht länger in dem schönen Garten arbeiten dürfte. Ich fing an, das ganze Haus systematisch zu durchsuchen. Da kam ein Mann mit ein paar Frauen und sagte, er wisse wo die Diebe die Krone versteckt hätten und er würde mich dahin bringen, er könne aber leider kein Auto fahren. Also setzte ich mich ans Steuer der königlichen Dorfkarosse und wir fuhren los. Wir fuhren endlos lange. Der Mann mit seinen Frauen hatte viel Spaß auf der Fahrt. Wir kamen in eine Großstadt und da wurde ich richtig ärgerlich. Hier wollte ich auf keinen Fall wieder hin. Der Mann ließ mich vor einem Hotel anhalten, stieg mit seinen Frauen aus, alle  liefen ins Haus und da erst merkte ich, dass der Mann mich reingelegt hatte. Wie sollte er auch wissen, wo die Diebe meine Krone versteckt hatten? War er selbst einer von den Dieben? Warum passiert mir immer so was? Warum lass ich mir immer meine Krone stehlen? Warum vertraue immer solchen Betrügern? Und was wird jetzt aus dem schönen großen Garten?

19.2.15

Coccoina, colla bianca solida per ufficio

Vor dem Wochenende, donnerstags oder freitags, fange ich meistens an aufzuräumen. Ordnung zu machen. Das Haus aufräumen, um selbst, innerlich in eine Ordnung zu kommen. Ich bin dabei wunderbar trödelig und langsam, schau mir alles dreimal an, die Dinge fangen dann an Geschichten zu erzählen, ich zeichne ein paar Sachen und denke übers Leben nach. Coccoina ist ein ganz besonderer Kleister. Eigentlich ein Kartoffelkleister. Kartoffelkleister kann man auch selber machen. Aber Coccoina nicht. Coccoina kommt aus Italien, aus Sizilien, dem Land wo die Zitronen blühen und Coccoina riecht wunderbar nach Mandeln. Nach Marzipan sagen die Kinder. Aber Marzipan wird auch aus Mandeln gemacht! Mit so einem Kleister kann man, wenn man dran riecht, auf eine Reise gehen. Ich kann wirklich richtig guten Kartoffelkleister machen, aber ich habe nicht herausgefunden, wie dieser Mandelduft gemacht wird? Qualcuno mi può aiutare? Qualcuno dalla Sicilia, forse?

18.2.15

Bleistiftland

Gestern und heute Nebel. Draußen auf dem Feldweg kein Horizont zu sehen. Felder, Bäume und Büsche, schön dass die Welt heute mal anders aussieht. Krokusse am Wegrand. Die Haselnussbäume blühen. All das sehe ich gerne, kann es aber nicht zeichnen, aufzeichnen. Zum Zeichnen komme ich erst wieder im Gewerbegebiet. Gewerbegebiet ist das zuverlässigste Bleistiftland.

16.2.15

Fensterbankgarten

Fensterbankgarten. Oben im Haus. Ich kann nicht auf den Frühling warten. In Töpfen: Wildblumensamen. In Plastikmüllschalen, im Herbst gesammelt: Samen aus den Hagebutten von Heckenrosen. Heute habe ich die Schale aus dem Garten auf die sonnige Fensterbank gestellt. Stratifikation! Und Hyazinthen. Wenn ich nachts aufwache, durchs Haus gehe, rieche ich den Frühling. Beim Zeichnen die gleiche alte Jacke an wie bei der Arbeit im Garten. Weite Taschen, alles da, zwei Bleistifte, ein Anspitzer, Glück ist, wenn ich alles finde ohne zu suchen.