8.2.19

Unterwegs


Ich gehe einen Weg den ich oft gehe. Ich kenne den Weg. Ein alltäglicher Weg. Nichts kann mich da überraschen. Oder? Nein. Und dann, wie passiert so was?, schau ich nach rechts und sehe, zwischen den Bäumen geht ja auch noch ein Weg. Warum habe ich den noch nie gesehen? Und: Wo komme ich da hin? Mit einem Mal wird der langweilige Spaziergang abenteuerlich: Hier war ich ja noch nie! Hatte ich dieses Gefühl nicht oft,  als ich ein Kind war? Viel öfter? Und plötzlich bin ich in einer anderen Gegend, besser: Landschaft, andere Bäume, Pflanzen, ein neuer Geruch in einer anderen Luft, und da hinten schau mal, und da, und da, überall gibt es jetzt was zu sehen und dann kann es mir passieren, dass ich plötzlich einen Weg gehe, der so aussieht , als wäre ich gleich in Sundborn bei Carl Larrson.

6.2.19

Helters skelter

Die Sundborner lassen mich einfach nicht los. Jetzt gibt es auch noch ein Tänzchen. Dabei kann ich gar nicht tanzen. Wie hat John Lennon einmal zu mir gesagt: "You may be a lover but you aint no dancer." Helters skelter.

2.2.19

Eskapismus

Wie gestern gesagt, bin ich wieder zu Hause. Aber manchmal auch nicht. Der Nachbar vier Häuser weiter hat seinen Vorgarten zementiert. Alle Sträucher, Pflanzen, Bergenien, Fühlingsblumen weg und zwei Tonnen Schotter da hin geschüttet. Ich meine da erfinde ich doch lieber auf dem Papier noch mal Carl Larsson Augenblicke. Exkapismus, ich weiß.Noch was: Beim zeichnen, ausmalen, hatte ich das merkwürdige Gefühl, genau so ein Bild schon mal gezeichnet zu haben als ich ein Kind war. Hat mich gefreut.

1.2.19

Abschied von Sundborn

Abschiedskonzert. Heute ist die ganze Familie noch mal zusammengekommen, um mir ein Abschiedskonzert zu geben. Ich durfte sogar mit meiner Gitarre mitspielen. Morgen werde ich wieder zu Hause sein. Schade eigentlich. Ein paar sehr schöne Tage mit der Familie Carl Larsson sind vorbei. "Nächstes Mal komme ich dich besuchen", sagte Carl am Nachmittag. Freunde verlieren sich nicht. Auch wenn sie sich eine Zeit lang mal nicht sehen.

29.1.19

Dritter Tag der Wanderung

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Häuser in der Nähe von Kvamsveden

Larsson und ich sind heute morgen weitergegangen. Wir haben die Nacht in einem wunderschönen kleinen Hotel in der Nähe von Kvamsveden verbracht, und nach einem typischen schwedischen Frühstück (Havregrynsgröt, eine Art Haferbrei, die Haferflocken werden in Wasser kurz aufgekocht und der Brei wird mit Milch und einem Löffel Himbeermarmelade verfeinert) sind wir losgegangen. Immer wieder sehe ich, wie viel weiter Larsson ist mit seiner Maltechnik und auch mit seiner Malphantasie. „Wie wird man als Zeichner, als Maler richtig gut?“, habe ich ihn heute unterwegs gefragt. 
„Um richtig gut zu sein“, antwortete er, „musst du mit zwei Sachen von tiefsten Herzen einverstanden sein. Erstens musst du deine Fehler akzeptieren und zweitens muss muss dir ganz klar sein, dass du kein Genie bist, dann hast du vielleicht eine Chance richtig gut zu sein“. 
Carl Larsson war schon immer mein Freund, aber heute morgen, da am Wegrand sitzend, wurde er noch mehr mein Freund.

28.1.19

Unterwegs mit Carl Lasson

Nachdem wir gestern die Obstbäume zurückgeschnitten hatten, machten wir uns heute früh, nach einer kurzen Nacht, wir sind bis weit nach Mitternacht im Garten gesessen, eine herrliche, warme Sommernacht, vielleicht haben wir auch ein bisschen zu viel Norrlands Guld getrunken, obwohl die schwedischen Biere im Vergleich zu unseren deutschen Bieren sehr wenig Alkohol enthalten, machten wir uns zeitig auf den Weg. Wir sind von Sundborn über Blixbo und Enviken bis nach Falun gewandert. Herrliches Wetter auch heute, ein großartige Landschaft, phantastisch der Wind in den Bäumen, eine wunderbare Musik,  und zwischen den Bäumen immer wieder die typischen schwedischen Häuser. 



Carl Larsson, der berühmte Carl Larsson zeichnet unterwegs auf einfachstes viel zu dünnes Papier und benutzt dafür irgendeine besondere Tinte. Das heißt, ich glaube es ist im strengen Sinne gar keine Tinte, sondern ein wässrige Gouache, die er sich zu Hause anrührt, Umbra gebrannt und Preußisches Blau vermute ich, und dann in ein olles Marmeladenglas abfüllt und die steckt er dann in seinen Rucksack. Morgen wollen wir noch ein bisschen weiter in Richtung Kvarnsveden.

27.1.19

Es ist gut wenn man Freunde hat

Gestern kam Larsson mich besuchen. Wir hatten uns lange nicht gesehen und so war ich auf seinen Besuch nicht vorbereitet.
"Ich bleib auch nicht lange", sagte er. "Ich wollte dich eigentlich um Hilfe bitten wegen der Obstbäume in Lilla Hyttnäs." 
Ich habe ihm versprochen, gleich heute zu kommen und bin zeitig losgefahren und war schon sehr früh in Lilla Hyttnäs.  Die Obstbäume sahen wirklich schlimm aus. Die Leitäste an fast allen alten Apfelbäumen waren durch Wasserschosse überbaut und verschattet, das alte Fruchtholz ist sicher seit Jahren nicht zurückgeschnitten worden und bei den anderen Gehölzen sah es ähnlich aus.  
"Ich bin in den letzten Jahren einfach nicht dazu gekommen", sagte Carl. "Zuerst hatte ich viel zu tun und dann wurde eins der Kinder krank". Gut dass es Freunde gibt. Wir arbeiteten bis weit  nach dem Mittagessen, das die Kinder uns  brachten . Kersti und Lisbeth sind wirklich groß geworden, richtige kleine Damen. Das Wetter war schön, blauer Himmel, Sonnenschein, ein erfrischender Wind vom See und gegen 4 Uhr gingen wir zum Kaffee zum  Haus zurück. Karin hatte extra für mich eine Prinsesstårta gebacken: "Weil du die doch so gerne ißt." Danke, Karin. Die ganze Familie war bei dem schönen Wetter gekommen und Carl und ich nutzen die Gelegenheit um ein bisschen zu zeichnen (siehe oben). "Bleib doch noch ein paar Tage", sagte Carl am Abend. "Wir könnten doch das schöne Wetter nutzen und ein bisschen wandern gehen, vielleicht auch mal ein bisschen weiter raus aufs Land und den Skizzenblock mitnehmen." Es ist wirklich schön , wenn man Freunde hat.

26.1.19

Der Weihnachtsengel

Der Weihnachtsengel steht schon seit Weihnachten auf der Küchenfensterbank. Ne, seit Ende November, da fängt Weihnachten ja schon an. Zusammen mit irgendwelchem anderen Krimskrams. 
"Kannste den nicht mal wegräumen? Weihnachten ist doch vorbei." 
"Ja mach ich." 
Mache ich dann aber doch nicht. 14 Tage später: "Warum machste das denn nicht mal?" 
"Ja, keine Ahnung. Ich weiß ja auch nicht wo der hinkommt." 
"Der kommt zu den ganzen anderen Weihnachtssachen."
"Ach so!"
Ende Januar: "Der steht ja immer noch da!"
"Ja, wenn es dich stört, dann räum du denn doch mal weg!"
"Mich stört der überhaupt nicht."
"Mich auch nicht."
Warte mal.... steht der wirklich seit Ende November da? Stand der nicht schon eher da?  Oder, anders gefragt, steht der nicht schon seit letztes Jahr Weihnachten da? Dann lass ich den jetzt auch stehen. So lange dauert das doch nicht bis Weihnachten.

19.1.19

Schnee, Garten, Stille

In der Nacht hat es ein bisschen geschneit. Auf der Straße und dem Bürgersteig war dann um 10 Uhr schon nix mehr zu sehen. Aber im Garten, der Tisch, die Holzterrasse, Teile der Wiese waren weiß und da konnte man sehen, wie still der Garten mit dem Schnee geworden ist. Wäre es nicht besser gewesen, ich hätte, da am Fenster sitzend, diesen Schneegarten mit dem Bleistift gezeichnet und nicht mit der Tuschefeder? Ich glaube schon. Nächstes Mal. Aber wird es denn noch mal schneien?

17.1.19

Schade

"Schön! Und wo ist das jetzt?"
"Keine Ahnung. Ich habe mir das Bild nur ausgedacht." 
"Schade."

12.1.19

Fensterbank

Im Garten

Im Garten zeichnen. Meine Finger frieren. So kalt ist es doch gar nicht! Es gibt immer noch Blüten vom letzten Jahr. Getrocknet, gefroren, verwelkt, zerknittert: Rosen, Mutterkraut, Schlangenkopf. Und dazwischen jetzt schon die Spitzen von Schneeglöckchen? Traubenhyazinthen? Die Winterlinge sind schon da: Gelbe Blüten. So zeichnen, dass ein Rhythmus entsteht, eine Melodie. Im Hintergrund spielt der Wind mit.

4.1.19

Bister: Französisch: bistre „nussbraun“, „schokoladenbraun“

Mit Bister, Zeichenfeder und einem kleinen Pinsel zu zeichnen macht mir große Freude. Bister ist wirklich eine tolle Zeichentusche. Ich fühle mich dann beim Zeichnen zurückgebeamt in die Rembrandt Zeit. Die Zeichnungen sehen ein bisschen wie aus einem Antiquariat aus. Aber so sieht heute die sogenannte wirkliche Welt auch aus.