11.7.18

Was mir das Zeichnen bedeutet

Das ist eine Postkarte. Hängt bei uns am Pinbrett in der Küche. Die Karte ist zwei Jahre alt. Da waren wir alle auf der Insel  Texel, in den Niederlanden, am Meer, in einem sehr schönen Ferienhaus.  Die Postkarten, die man so zu kaufen bekommt in den Tourismusferiengeschäften, finde ich alle schrecklich. Warum eigentlich? Warum sind mir solche Postkarten ein Greuel? Weil ich da hinten drauf sehr wahrscheinlich auch was ausgelutscht Blödes drauf schreiben würde. Und da habe ich mir gesagt: Was würdeste du denn für eine Postkarte selber machen?  Nur Zeichnen! Wie Kinder zeichnen! Trauste dich das? Ja, ich trau mich. Aber zeichne jetzt bloß nicht den Strand mit dem Leuchtturm im Hintergrund! Aber was denn? Glücksmomente! Das, worüber du dich freust,  was lustig und wichtig ist, wo du  wieder mal siehst: Das Leben ist echt schön.  Auf dieser Karte hier sitzt meine Pauline am Frühstückstisch. Alleine. Weil sie immer die Letzte gewesen ist die aufgestanden ist. Die Anderen waren schon unterwegs zum Strand. Wie mich das gefreut hat! Jeder schläft so lange er will, frühstückt so schnell oder so langsam er will, und der Frühstückstisch ist ein herrliches Chaos, und wer räumt das alles wieder auf? Ich, ich möchte das machen. Und dann ist die Pauli auch losgegangen, zum Strand, ich hab aufgeräumt und gemerkt, wie gut es mir geht, zeichne das auf! 
So ungefähr ist diese Karte entstanden. Und die Karte habe ich auch verschickt. An meine Pauline. Und jetzt hängt sie schon zwei Jahre an unserem Pinbrett und wenn ich die Karte heute wieder ansehe, auch nur im Vorbeigehen ansehe, dann bin ich wieder auf Texel und genauso  fröhlich wie damals. Ich meine , so müsste mein Zeichnen sein: Etwas erleben, etwas Lustiges, Heiteres, und es so zeichnen, dass das Gefühl, das Erlebnis in dem Bild enthalten ist , enthalten bleibt, auch nach ein paar Jahren.  
Noch was: Wenn man sich die Karte genau ansieht und wenn man links oben aus dem Fenster schaut, kann man im Hintergrund den leuchtenden Leuchtturm von Texel sehen. Is aber falsch! Der Leuchtturm leuchtet doch nur nachts und nicht beim Frühstück. Man konnte den aber genau von unserem Fenster aus sehen.
Und noch was: Gerade fällt mir ein, dass Carl Larsson einmal seine Tochter gemalt hat als sie alleine am Frühstückstisch sitzt, weil sie zu spät aufgestanden ist und dass er sich darüber wohl genauso gefreut hat wie ich. Das ist ja dann nochmal doppelt so schön. 

9.7.18

Postkarten machen

Jetzt bin ich immer noch mit dem Fahrrad unterwegs, und irgendwie wird das mein Urlaub sein, obwohl ich eigentlich gar keinen Urlaub mache, weil Künstler ja auch gar nicht arbeiten und also auch keinen Urlaub machen, und weil man ja aus dem Urlaub immer Postkarten nach Hause schickt, habe ich mir gedacht, die Postkarten mache ich jetzt selber, wenn ich wieder zu Hause bin, Buntstifte auf Fotokarton, und dann schreibe ich was hinten drauf, und ne Briefmarke dazu und dann schicke ich jemandem Urlaubsgrüße von meinen Fahrradtouren. Aber ehrlich gesagt, das Zeichnen von Postkarten ist mir eigentlich schon Fahrradtour und Urlaub, Zeichnen ist ja wie verreisen.  Obwohl wir könnten uns auch wieder mal das Meer ankucken. In Echt. Ach, ich weiß es doch auch nicht.
iv>

6.7.18

Immer noch mit dem Fahrrad unterwegs

Gestern habe ich viele Nachrichten gelesen, gesehen. Ein Nachrichtensprecher sagte, dass wir in turbulenten, unsicheren Zeiten leben. Wirtschaftskriege, Umweltzerstörung, Flüchtlinge, Krieg, Mord und Totschlag. Und ich? Was mache ich? Darf man in solchen Zeiten noch draußen mit dem Fahrrad unterwegs sein, eine andere Welt suchen und sie dann in kleinen Bildern wiederfinden?

5.7.18

Aus der Erinnerung zeichnen

Ich habe mich heute morgen noch mal an die Fahrradtour vorgestern erinnert und habe noch mal Wege aus der Erinnerung gezeichnet. Merkwürdigerweise sind die Zeichnungen dann stimmiger. Nicht richtiger aber stimmiger.iv>

4.7.18

Mit dem Fahrrad unterwegs

Vier Stunden mit dem Fahrrad unterwegs. Ich muss immer lange fahren, bis ich wirklich woanders bin, bis ich von diesem Nachrichtenwahnsinn weg bin, bis ich sehe, dass die Welt und das Leben  schön ist. Ein Bach, eine Auenlandschaft, ein einsamer Weg, und dann immer um eine Wegbiegung herum, die freudige Überraschung, wenn dann aus dem Grün wieder Häuser zu sehen sind: Da wohnt wer! 
Es hat seit vielen Tagen nicht geregnet, die Wiesen und Felder sind vertrocknet, das Getreide abgemäht, jetzt schon, Noternte, sagen die Bauern. 
Und dann, plötzlich, riesige Pappeln, ich hatte vergessen, wie groß die sind, wunderschön. 

23.6.18

Gehölzschnitt und Zeichenunterricht

Heute habe ich in unserem Garten ein paar Sträucher geschnitten. Getrimmt. Wegen der Vogelnester. Obwohl, die sind eigentlich nicht da. Am Donnerstag habe ich auf der Kinderinsel vier große Haselnussbäume, Sträucher geschnitten. Und bei der Arbeit habe ich gemerkt, dass ich die Sträucher genauso schneide, wie ich sie zeichnen würde. Weil ich ja doch in den letzten Tagen so viele Bäume gezeichnet habe. Dabei achte ich darauf, welche Form mir das Gehölz vorschlägt, ich werde nicht den Pflanzen eine, meine Form aufzwingen. Wie das manchmal an den japanischen Niwaki Bäumen zu sehen ist, diesen Wolkenschnittbäumen. Aber dann habe mal gelesen, das die japanischen Gärtner sich die alten chinesischen Tuschezeichnungen mit Bäumen angesehen haben und danach gearbeitet haben. Das wär doch was: Zeichenunterricht für Gärtner. Bevor ein Gärtnerlehring die Gartenschere in die Hand nehmen darf, muss er ein paar Wochen, draußen in der Natur unterwegs sein, mit Rucksack und Wanderverpflegung und sich die Bäume ansehen. Ich sage das auch, weil auf der Kinderinsel das städtische Grünflächenamt wieder mal ohne Sinn und Verstand, besser: ohne Phantasie, ohne jemals einen Baum sich angekuckt zu haben, viele Sträucher kaputt gemacht hat. Eine Forsytie, 1,50 Meter hoch, nur einjährige Triebe, was wäre das für ein Blütenstrauch geworden, den haben sie auf den Stock gesetzt, 20 Zentimeter tief, und auf die Frage, was das denn für ein Blödsinn wäre , haben sie gesagt, wieso, die wächst doch wieder. Und wann blüht die dann mal? Na ja, passt schon.

17.6.18

Notiz vom Stockbrot machen auf der Kinderinsel.

Eigentlich wollte ich auf der Kinderinsel die Hecke schneiden. Aber, na ja, die Hecke ist ganz schön lang und wir haben nur eine Heckenschere und die ist auch noch stumpf (Seit wann ist die denn stumpf?, fragt mich die Leiterin der Kinderinsel. War die schon immer, sag ich. Kann man die denn nich mal schärfen? Doch.. aber.. also sollen wir nicht lieber Stockbrot machen? Au ja!, haben die Kinder gesagt und ich habe ein Feuer gemacht und die Hanna hat mit den Kindern den Teig gemacht und die Hecke können wir ja immer noch schneiden, irgendwann von mir aus, und dann habe ich noch ein paar schnelle Skizzen gekritzelt, weil mit den Fotos ist das so eine Sache, die Kinder sind einverstanden, die Eltern glaube ich auch, ich habe sie nicht gefragt, aber da sagt meine 12 jährige Tochter , als sie noch mal das berühmte Wenn-ich-einen-Garten-hätte-Pop up Buch auf you tube sieht, sagt sie: Habe ich damals eigentlich mein Einverständnis gegeben? Das ist es ja, erst mal sind die Kinder einverstanden, aber ein paar Jahre später nicht mehr, d.h. ich kritzele lieber auf, was so los war, auch wenn dann jemand fragt: Soll ich das etwa sein? iv>