20.4.18

Was mache ich eigentlich hier?

Gestern auf der Kinderinsel. "Wir wissen selber was schön ist", haben die Erzieherinnenkolleginnen mir gesagt."Wir wollen auch mal bestimmen!" Recht haben sie. Ich habe Stockrosen und Sonnenhüte gekauft , meine komplette Schatzkiste mit Blumensamen zur Verfügung gestellt, Erdbeerpflanzen waren auch dabei und all das wollten sie ohne mich in die Erde bringen, wollten selbst bestimmen, wo was hingepflanzt, gesät werden soll. Na, wenn das mal gut geht. Und was mache ich währenddessen? Es gibt ja die Theorie, dass allein die Anwesenheit eines Künstlers die Atmosphäre, die Stimmung in einer Gruppe in einer Stadt, in einem Stadtteil verändert. Ein Stadtschreiber, eine Musikband, ein Maler, gibt es auch so was wie einen Stadtzeichner?, das wäre ja was für mich, also der Künstler ist nur anwesend und greift nicht in das Geschehen ein, so eine Art Katalysator, ja, ich habe im Chemieunterricht aufgepasst, ein Katalysator ist ein Element, das einen Vorgang in Gang bringt, aber nicht an ihm selbst beteiligt ist. Gestern war ich also ein Katalysator. "Klaus, kannst du bitte mich auch abzeichnen?" Das war die zweithäufigste Frage. Die häufigste Frage war: "Was machst du da?" Antwort: " Ich weiß es selber nicht so genau." Und hat es die Atmosphäre verändert? Weiß ich auch nicht. Aber dann ist eine Kollegin losgegangen und hat um die Ecke in der Eisdiele für alle ein Eis gekauft. Das Eis war dann auch so was wie ein Katalysator. Und wer schaut sich jetzt meine Zeichnungen an?

15.4.18

Schnipselbilder

Jeden Morgen, eine Stunde sehen lernen, spielen, Schnipselbilder, Papierreste, in einer Sekunde ein neues Bild, wie lange würde das dauern zu zeichnen oder zu malen! Komponieren, zusammenstellen, zusammenfügen, immer wieder noch mal ganz anders, neu erfinden,  Muster, Rhythmen und Strukturen wiederfinden: Das habe ich schon mal in meinem Garten gesehen! Vor ein paar Tagen gab es ein Gewitter mit viel Regen und danach war der Garten dreimal so grün wie vor dem Gewitter. Und am Ende bin ich immer noch unentschieden und klebe die Teile noch immer nicht zusammen. Mal sehen, morgen früh...

10.4.18

Was man vom Garten über sich selbst lernen kann

In unser Hochbeet habe ich schon mal Tomaten gepflanzt. Bevor die reif waren, wurden die Blätter braun. Dann habe ich ich Spinat gepflanzt. Da wurden die Blätter weiß. Aber der Salat dann ist richtig prima gewachsen. Wollte aber kaum einer essen. Die Blüten waren  wunderschön. Jetzt habe ich beschlossen, Gemüse kann ich nicht. Aber Blumen. In einem Schuhkarton habe ich das ganze Jahr Blumensamen gesammelt, im Supermarkt gekaufte Tütchen und unterwegs gesammelte Samenstände. Ich habe für das Hochbeet einen genauen Pflanzplan gemacht und alle Samen nach Anleitung genau ausgesät. Jetzt fällt mir ein: Spinat- und Mangoldsamen waren auch dabei. Aber das sollen auch Blumen werden. Also genau nach Plan. Schlimm ist nur meine Unordnung. Ich habe den Plan verloren. Jetzt weiß ich nicht mehr, was da überhaupt wachsen wird. Ein paar Sämlinge sind schon aufgelaufen. Margeriten? Lichtnelken? Mutterkraut? Ärgerlich. Oder? Ist es nicht viel schöner, das Hochbeet überrascht mich und ich habe jeden Tag was zu entdecken, jeden Tag eine neue Überraschung? Und da merke ich, dass ich genauso meine Bilder male, zeichne. Wenn ich anfange und schon genau weiß, wie das Bild aussehen soll, wenn ich nach Plan zeichne und male, dann entsteht bestenfalls was total Langweiliges und das landet im Papierkorb. Wenn ich aber dem Stift auf dem Papier zusehe, sehe was da entsteht und das weiterführe, dann wird mich die Zeichnung überraschen. Ohne Plan, ohne Absicht, sehen was entsteht, was auftaucht, sich freuen über das, was jetzt da ist, zutiefst einverstanden sein, was jetzt  dran ist, das wahrnehmen und fortführen, weitergehen von da aus, ich glaube, so will ich im Garten weitermachen. Und auch mit meinen Bildern. Und vielleicht gelingt es mir auch immer mehr so zu leben.

2.4.18

Wie geht es weiter?

Man kann nicht ein Bild malen. Die wichtigste Frage, wenn ein Bild fertig ist, ist doch: wie geht es weiter? Was wäre der nächste Schritt? Ein Bild entwickelt sich aus dem vorhergehenden. Vielleicht muss man 20 Bilder malen, um ein stimmiges zu erhalten. Und dann entstehen Bilder, die manchmal nur für einen Tag spannend sind, oder für eine Woche. Erst wenn ich sie nach einem Monat zufällig wiedersehe und sie mich immer noch interessieren, dann bleiben sie. Zwei Bilder 40x40, ein Bild 40x60, Acryl auf Leinwand.