29.3.13

Die sogenannte Realität

"Cosiddetta realita", ein Ausdruck von Morandi, die sogenannte Realität. Die Zeichnung hier drüber könnte man für eine realistische Zeichnung halten, ein realistische Skizze. Eine Gruppe von Menschen, stehen irgendwo rum, warten auf was. Vielleicht auf den Bus? Stimmt genau! Der Zeichner zeichnet jetzt was er sieht, diese Gruppe von Menschen. Die bleiben aber ja nicht stehen, so wie Figuren im Aktsaal einer Akademie. Ich fange an, sehe mir eine Figur an, sehe aufs Blatt, schaue wieder auf, und der Mensch steht schon ganz woanders. Neue Leute kommen dazu, ich zeichne den nächsten einfach an den ersten dran, wieder ist alles anders, dann fehlt der Komposition an einer Stelle noch ein Mensch und den erfinde ich einfach. Zu Hause zeichne ich das Bild fertig, dann ändert sich nochmal was, die Zeichnung hier drüber ist so ein Beispiel, wie eine Zeichnung vor Ort aussieht, wo ich weitermache, wenn ich wieder zu Hause bin. Manche Zeichnungen sind natürlich auch an Ort und Stelle fertig. Ich finde es immer schwierig, draussen einen Platz zu finden, wo ich mich hinsetzen kann und in Ruhe zeichnen kann. Die Leute merken sehr schnell, dass ich sie zeichne und das macht mich nervös, ich will nicht, dass mich jemand anquatscht: Soll das etwa ich sein? Also besser: Bäume zeichnen. Die hier drunter sind aber alle aus der Erinnerung gezeichnet. Nach einer wunderschönen kleinen Wanderung mit meiner Tochter, kalt war es, aber die Sonne schien so hell wie im Sommer, Bäume habe ich mir angesehen, habe nach Blattknospen gesucht, nach Blüten, nur manchmal was gefunden und dann zu Hause war ich "so voller Figur", wie Dürer das mal gesagt haben soll, und habe angefangen zu zeichnen.Also auch die Bäume hier drunter sind reine Phantasie. 

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