20.3.13

Werde nicht böse vor dir selbst



Ich sitze gerade an unserer Steuererklärung. Ne falsch, ich sitze schon seit 3 Tagen an unserer Steuererklärung. Und das macht mir so viel Spaß! Ehrlich! Ist das eine Freude! Und ich meine das jetzt nicht schnippisch oder so. Ne, wirklich. Schade nur, dass ich nur einmal im Jahr eine Steuerklärung machen darf. Ich könnte das jeden Monat machen. Ne monatliche Steuererklärung. Oder jede Woche. Ich habe mir eine Steuerberatungssoftware gekauft. Die ist super. Geht alles viel schneller. Dauert nur länger. Aber ich erfahre auch spannende, interessante Sachen. Zum Beispiel: Der BFH hat entschieden, dass bei der Neuanlage eines Gartens die Kosten für die Neuanlage  abgesetzt werden dürfen, aber nur die Handwerkerleistungen, weil der Boden des Gartens ja bereits vorhanden war. Als ich das gelesen hab, meine Güte...  
Jetzt mal im Ernst: Immer wenn ich die Steuererklärung mache, fällt mir ein Buch von Martin Buber ein: Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre. Ich habe das Buch nicht mehr, vielleicht finde ich es einfach auch nicht mehr, ich muss mal wieder aufräumen.   In dem Buch deutet Martin Buber unter anderem einen tollen Satz aus der chassidischen Lehre und der geht so: "Werde nicht böse vor dir selbst." Nun habe ich das Buch vor vielen Jahren mal gelesen, hab mir die Erklärung von Martin Buber gemerkt,  habe mir diese Geschichte auch immer wieder selbst erzählt, wie gesagt, meistens wenn ich die Steuererklärung mache, und je öfter ich mir diese Geschichte selbst erzählt habe, desto mehr hat sie sich vielleicht entfernt von dem Orginal. Ich weiß es nicht mehr. Also die Erklärung von Martin Buber und mir geht so: Wenn jemand eine Fähigkeit, ein Talent, ein Können, man könnte auch sagen ein Vermögen, ein geistiges, emotionales Vermögen besitzt, dann darf er damit nicht zu Hause hocken bleiben, sondern soll auf den Markt gehen, unter die Menschen gehen und soll mit seinem Vermögen, seinem Können den Menschen nützlich sein. Wenn er das nicht tut, wird er böse vor sich selbst. Die Geschichte ist mir heute wieder eingefallen und ich habe beschlossen, dass ich die Bücher , die ich gestern gemacht habe, nicht selbst als Skizzenbuch benutzen will, italienisches Papier aus London eingeflogen, feinstes Dorree Zeichenpapier, bei meinen katastophalen Betriebseinnahmen kann ich mir das nicht erlauben. Ich gehe damit also auf den Markt. Willse jemand haben? Je 20 Euro?   Zu teuer? Hab ich mir gedacht. Für mich habe ich jetzt so ein einfaches Zeichenbuch gemacht (siehe Bild oben), genauso eins wie das alte. Das war doch prima. Ich will nicht böse vor mir selbst werden, die Steuererklärung hat schon genug angerichtet. Morgen zeichne ich wieder. Bis dann.

1 Kommentar:

vuscor hat gesagt…

Gestatte mir, lieber Klaus, die Anmerkung, dass ich - obwohl Rentner - immer noch Blutrausch bekomme, wenn ich an die Tage und Stunden denke, die ich investieren musste, um meiner unausweichlichen Fiskalpflicht nachzukommen. Bah! Wie viele schöne, unverkäufliche Schreib- und Skizzenbücher hätte ich in dieser Zeit machen können. Weihnachten 2011 habe ich meinen malenden/zeichnenden Freund_Innen je ein Skizzenbuch fadengeheftet, Buckrameinschlagen usw. Schöne A5-Bücher waren das. Frag ich vorsichtig nach, ob sie denn recht gewesen wären, krieg ich von dreien zur Antwort, die seien so schön, man/frau täte sich genieren da rein zu … ah, ja, zeichnen. Also ährlich. Wir sollten uns viel öfter selbst beschenken. Soviel Egoismus muss gelegentlich sein.