12.5.13

Ein Purpurglöckchen

Gestern habe ich ein Purpurglöckchen gezeichnet. Immer wieder neu habe ich angefangen. Am Anfang natürlich mit Fehlern. Aber was sind schon Fehler beim Zeichnen? Zum Schluß immer noch mit Fehlern. Mir sind verschiedene Zeichner eingefallen, die auch Blumen gezeichnet, gemalt haben. Alle anders. Richtig gibt es nicht. Obwohl manche das von ihren Bildern behaupten, um andere abzuwerten. Käme es als Künstler nicht auch darauf an, ein größeres Herz zu bekommen? Hokusai ist mir eingefallen, der immer wieder neu den Fuji gemalt hat. Würde vielleicht, wenn ich ein ganzes dickes Buch nur immer wieder neu versuchen würde mir ein Bild von einem Purpurglöckchen zu machen, wenn alle Fehler auch mit drin wären, würde dann dieses Buch ein stimmiges Bild von der Blume vermitteln? Würde es nicht vielmehr ein Bild von mir vermitteln? Welches Verhältnis habe ich zu dieser Blume? Zum Beispiel: Ein wissenschaftliches? Ein liebevoll staunendes? Ein ökonomisches, ein angeberisches, seht mal alle her, wie toll ich zeichnen kann? Was mache ich eigentlich, wenn ich zeichne? warum und wozu? Ist es nützlich? Für wen? All diese Fragen stellen sich ein beim Zeichnen und bleiben unbeantwortet. Gut so.Was bleibt ist die Freude an diesem Purpurglöckchen. An den Blumen in unserem Garten. An unser Haus. An unsere Straße. Die Erlen da draussen sind jetzt ganz grün.

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