10.11.13

Künstlerfortbildung im Zug

Am Freitag bin ich mit dem Zug nach Neuss gefahren. Künstlerfortbildung. Wie immer war ich viel zu früh auf dem Bahnsteig. Aber da waren dann auch schon zwei Leute und flipperten an ihren Smartphones rum. Immer mehr sieht man das, Menschen mit gesenktem Blick, tief versunken, fast wie im Gebet in der Kirche, Mensch Leute, könnte ihr denn nicht mal aufschauen, schaut euch mal den Himmel an, richtet eurer Augenmerk auf Höheres. Manchmal höre ich mich an, als wollte ich ne Sekte gründen. Weil dich die Handys nerven? Warum eigentlich? Ich will mal sehen, wie viele Leute im Zug mit ihren Handys beschäftigt sind, das ist doch krank!. Und dann sitze ich im Zug und mir gegenüber sitzt so ein punkiger Gruftytyp und liest ein Buch! Einen dicken Wälzer! Schwarzer Einband. Den Titel in Gold kann ich leider nicht lesen. Und ein Sitz weiter sitzen zwei junge Frauen und: Lesen! Dann steigt eine türkisch aussehende Frau ein, setzt sich und holt ein Buch heraus. Ein schwarzer Ledereinband. Ein wunderschönes Buch. Ist das nicht toll? Das gefällt mir. Leute im Zug, die ein Buch lesen. Häh? Und wenn jetzt einer auf seinem Smartphone japanisches Haikus gelesen hätte, oder Liebeslieder der deutschen Romantik, das hätte dir nicht gefallen? Wenn jemand seinen Kindle eingesteckt hätte, weil Krieg und Frieden, oder Mein Jahr in der Niemandsbucht viel zu schwer im Zug zu lesen wäre? Weil er wie ich ne Sehnenscheidentzündung hat? An anderen herummeckern ist irgendwie immer falsch. Und dann, als wir aus der Stadt raus waren, war über den abgeernteten Feldern, am Horizont ein ganz schöner Nebel.

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