31.1.15

Nicht ich

Die letzten Tage, draußen unterwegs, habe ich nicht mehr gezeichnet. Habe nichts mehr gesehen und mich genervt mit der Frage, ob das Zeichnen vielleicht irgendwann am Ende ist. Und jetzt habe ich dieses alte Buch gefunden. DIN A 2 groß. Da hat die Pauline was drin gezeichnet, gemalt als sie 2 Jahre alt war. Hat was reingeklebt, ich habe es als Arbeitsunterlage für anderes benutzt, 6 Jahre ist es bestimmt schon alt. War auch mal ein Märchenbuch. Und da habe ich wieder angefangen, mit den Flecken, Rissen, Klecksen und den Vorzeichnungen zu spielen, weiterzumalen, ohne eine Geschichte zu suchen, ohne was Wirkliches zu finden. Freies Herumphantasieren. Nichts denken, nichts kritisieren. Gut so. Vielleicht zeichne ich ja nächste Woche wieder draußen. Schlimm ist nur, dass ich das gar nicht aussuche, oder bestimme, wie und wo und was ich zeichne und sogar ob ich zeichne bestimme nicht ich.  Wer denn? Keine Ahnung. 

24.1.15

Ha!

Heute Morgen, der erste Blick aus dem Fenster, es schneit. Ha! Frühstücken, Schnee schaufeln und dann einkaufen gehen. Zu Fuß. Schneewanderung. Gummistiefel und dicke Socken und der große Rucksack. Der Weg über den Friedhof. Hier ist heute morgen noch niemand gegangen. Ich versuche mir meine Freude über den Schnee zu erklären. Nicht denken, weitergehen.  Langsam gehen im Schnee. Schneemeditation. Am Supermarkt beschweren sich zwei Frauen: Auch das noch! So was können wir doch gar nicht gebrauchen! Nach Hause über die Felder. Die Kirchenglocke schlägt 11 Uhr. Vier helle Töne für die volle Stunde, dann elf dunkle Töne für elf Uhr. Langsam gehen, nicht müde werden, weiter gehen können, noch einen kleinen Umweg machen können. Die Welt wie eine Zeichnung, ein weißes Blatt Papier. Mit dicken Bleistift- und Kohlestrichen zeichnet der Schnee die Bäume. Und dann am Apfelweg, das alte, wunderschöne, bunte Schild: Apfelweg. An dieser Straße wachsen wirklich Apfelbäume. Und am Beerenweg wachsen wirklich Beeren. Und auf meiner Straße werden bald die Erlen blühen.  Ha!

23.1.15

Morgenwanderung

Morgenwanderung. An dem Haus bin ich schon oft vorbeigekommen. Ein verfallenes, aufgegebenes Haus. War vielleicht Mal Teil eines Bauernhofes. Davor ein schlimm verstrüppter, verwilderter Garten, das Dach total kaputt, der Zaun, Fenster und Türen kaputt. Trotzdem hat es mir immer gefallen und ich bin da immer gerne vorbeigegangen. Den Garten könnte ich übernehmen, alles raus, Wildblumenwiese, Sommerflieder, Rainfarn, Heckenrosen, Zaubernuss... das Dach müsste man machen lassen. Und die Fenster und Türen. Und was ist mit der kaputten Mauer ganz links, Klausi? Die auch. Und die Vorbauten? Auch. Und wer soll das bezahlen? Weiß ich  nicht. Aber könnte doch ein schönes Haus werden. 
Heute morgen liegt vor dem Hauseingang Sperrmüll, ein Baucontainer steht im Garten und ich denke, siehste, jetzt wird da wieder was draus, man kann so was reparieren. Aber dann fällt mir ein, vielleicht wird es auch abgerissen und da kommt ein hübsches, modernes Mehrfamilienhaus hin. Dann muss ich mir ja einen neuen Morgenwanderweg suchen! Schade. Aber, geht auch. 

19.1.15

Draußen zeichnen!

AG KinderBuchKunst Montessori Schule

17.1.15

Wo wohnt Gott?


Die Kinder im Kindergarten würden mir sagen: Im Himmel. Der liebe Gott wohnt im Himmel. Wir Erwachsenen erzählen das den Kindern. Weil wir auch nicht wissen wo Gott wohnt, es auch gar nicht mehr wissen wollen, weil man das so sagt: Der liebe Gott wohnt im Himmel.  Stimmt aber nicht. Es ist nämlich mal ein Astronaut, ich habe seinen Namen vergessen, einer der ersten, der um die Welt gesaust ist, der ist von seiner Reise zurückgekommen und hat gesagt, er wäre ja jetzt da oben im Himmel gewesen, aber einen Gott hätte er da  nicht gesehen und deshalb könnte er uns allen beweisen, dass es Gott nicht gibt. Wie hat er ihn übersehen können? Weil er, wie fast alle Diskussionen der letzten Tage über Religionen, über Gott, davon ausgeht, dass Gott irgendwo da draußen existiert.   Und am Besten ist es natürlich, er existiert im Himmel, weit weg, wo höchstens mal ein Astronaut hinkommt, dann müssen wir ihn hier, jetzt auf der Erde nicht suchen und finden. Was aber, wenn wir die Richtung ändern, wenn wir ihn nicht da draußen, im Himmel  suchen, sondern in uns? Gott als eine Möglichkeit  unser Leben zu leben,  als eine Möglichkeit die in uns allen angelegt ist? Mehr oder weniger. Es käme auf uns an, diese Möglichkeit entstehen und wachsen zu lassen. Ich bin ja kein Buddhist, oder vielleicht doch?, ich weiß es nicht, muss ich das wissen?, aber mir gefällt die Geschichte, dass der Buddha zu seinen Leuten gesagt haben soll: Wenn ihr dem Buddha unterwegs begegnet, tötet ihn. Oder: Seid euch selbst ein Licht. Schau selber hin, übernimm nichts, was irgendwer gesagt sagt. Erich Fromm hat so was einen überprüften Glauben genannt.  Und wenn ich das dann zutiefst verstanden habe,  dann kann ich  Gott überall da draußen entdecken. Überall. Ich muss nicht in den Himmel fliegen. 
Hier drüber eine einfache Zeichnung.  Nichts Besonderes. Ein paar Striche auf Papier. In ein Buch gezeichnet. Keine Kunst. Ein paar baufällige Häuser, mit einer Mauer, die gerade abgebrochen wird. Fenster und Türen. Nichts Besonderes. Warum zeichnen Sie denn nicht mal was Schönes?, fragen mich manchmal Leute. Aber es kommt mir nicht auf die Zeichnung, auf das Ergebnis an, sondern auf das Erlebnis: Zeichnen, ein Bleistift und Papier, ein paar Häuser, der Himmel über mir, Wind, oben in dem Baum drei Krähen, ein Auto fährt vorbei, es regnet, ich werde nicht nass, meine gute Jacke hilft mir, doch ja, irgendwie ist das auch ein Gotteserlebnis, vielleicht wohnt der liebe Gott ja auch in diesen Häusern am Straßenrand. 
Noch was: Die Schneeglöckchen blühen!

15.1.15

Markttag

Es ist windig, es regnet und es ist kalt, eigentlich sollte man zu Hause bleiben, ach was,  ich gehe trotzdem los. Immer mehr sogar gerade deshalb. Rechts aus dem Haus raus, am Friedhofzaun vorbei, dann kommt ein Weg mit rechts und links Bäumen und dann kommt der Feldweg. Eine Stunde unterwegs, zurück dann die Straße wo die alten Bauernhäuser stehen. Ich suche mir immer einen Weg aus, wo ich mir einbilden kann, ich würde auf einem kleinen Dorf leben.  Auf dem Land, draußen, irgendwo woanders. Ich suche unterwegs die ersten Schneeglöckchen, der Bauer fängt jetzt schon an den Acker zu düngen, die Heckenrosen haben immer noch Hagebutten, schön ises hier. Die Stadt, das Autofahren und die Supermärkte, die Werbung, dieser ganze Lärm geht mir oft auf die Nerven. Und zu diesem Weg gehört auch der kleine  Markt. Ein Bauer fährt mit seinem Wagen auf den Platz und lädt seine Kisten aus. Immer Dienstag. Warum immer nur Dienstag? Mehr lohnt sich nicht, sagt er. Die Leute kaufen lieber im Supermarkt. Heute mache ich eine Suppe: Zwei Hokaido Kürbisse, fünf Kilo Kartoffeln, fünf Bananen, drei kleine Beutel Zwiebeln, ich hole einen Zwanziger raus, mehr als zehn Euro wird es doch kosten, ach gib mir mal fünf Euro, sagt der Bauer. Willste nicht auch noch Blaubeeren mitnehmen? Wo kommen die denn jetzt her?, frag ich. Aus Chile, sagt er. Ach, du meine Güte, sag ich, aus Chile. Ja, die wollen da unten doch auch was verdienen. Bis nächste Woche.

10.1.15

Ein umfangreicher Tiefkomplex über Nordeuropa beeinflusst mit seinem Sturmfeld auch Nordrhein-Westfalen

Ziemlich windig heute. Und warm. 15 grad. Die Eichhörnchen erwachen aus ihrem Winterschlaf und suchen und finden Nüsse. Der Walnussbaum hatte wirklich so ein Gesicht und wenn man lange hingeschaut hat, sah es so aus, als ob er sich über den Besuch freuen würde. Hoffentlich fällt uns nicht der Himmel auf den Kopf! Quatsch, wovor du  immer Angst hast!

8.1.15

Rob Dunlavey: "Don't think, just draw what's in front. Now. "

Rob Dunlavey. Ein Freund, ein Zeichner-, ein Blogger Freund. Jeden Tag ist Rob unterwegs, mit Papier und Zeichensachen, zeichnet da draußen in Natick, Massachusetts. Landschaften, die Jahreszeiten, die Tiere, Enten, Reiher, Vögel, Bäume, Sträucher. Und er schreibt dazu, erzählt uns von seinem Unterwegssein, von den Dingen, der Welt , von seinem und unserem Leben. Und vom Zeichnen. Was das Zeichnen denn mal sein könnte in diesen digitalen Fotoshopzeiten. Was und wieviel es ihm bedeutet. Ein Bleistift, ein Papier, manchmal Pinsel und Tusche. Reicht! Mehr braucht man nicht, um mehr zu sehen, zu hören, zu riechen und zu erleben. Und davon dann zu erzählen. Jeden Tag schaue ich mir seinen Blog an und lese wie es weitergegangen ist, was gestern und heute los war in Natick, am Damm, am Fluss, und was die Enten Rob erzählt haben. Die Zeichnungen erzählen von einer ländlichen Landschaft, ganz anders als das, was ich sehe, erlebe , wenn ich bei uns hier um die Häuser ziehe, aber dann habe ich auch oft den Eindruck, dass wir beide eigentlich was Ähnliches tun. Zumindest es mit einer gleichen Haltung tun. Robservation, den Blog findet man HIER und weil Rob Dunlavey auch ein toller Illustrator von Kinderbüchern ist, kann man sich noch einen anderen Blog ansehen: HIER

5.1.15

Eine Häckselmaschine

Zuerst habe ich die Maschine richtig gezeichnet. Ganz richtig sah aber total  falsch aus und langweilig. Dann habe ich alles, fast alles, wegradiert und nochmal neu angefangen. Freier, mutiger, phantasievoller. Etwas dazu  erfinden , etwas weglassen, aber immer die Maschine im Blick. Beim Zeichnen mein Wunsch wieder einmal Jules Verne zu lesen. 
Das Ding stand gestern am Straßenrand. Wie aus dem Museum. Ne Häckselmaschine?

4.1.15

Wilde Gärten

Nur noch die kleinen Holzlauben. Davor eine vier Fußballfelder große zerfurchte, zerbaggerte Lehmmatschfläche. Ekelig nassgrau. Ein paar Krähen suchen da was. Der Bagger hat auch die Holzlauben krumm und schief gebrettert. Vor den Lauben noch Müll, aber der wird sicher bald abgeholt. Es steht noch kein Bauschild, aber ich bin mir sicher, hier werden Wohnhäuser gebaut, eine neue Siedlung, Ein- und Mehrfamilienhäuser, preiswert zur Miete wohnen wird man da können. Familien mit Kinder zum Beispiel. In der Mitte ein Spielplatz. Aber vielleicht kommt da auch ein neues Einkaufzentrum hin. 
Bis vor ein paar Wochen war das eine herrliche, eine verwilderte Landschaft. Birken, Weißdornhecken, wilde Kirschbäume, Sommerflieder, unzählige Brombeer- und Himbeerbüsche, Farne, Brennnesseln, Disteln, Blumen, deren Namen ich nicht weiß, gut so!, ohne Namen sind sie noch schöner und geheimnisvoller,  wilde Gräser, in der Mitte ein Tümpel mit Kaulquappen. Kein Weg dadurch. Den musste man finden oder neu anlegen. Bis zu den Holzlauben am anderen Ende. Vor vielen Jahren hat Amon, unser Sohn, als er in die Grundschule ging, mit seinem Klassenkameraden Maxi da gespielt.
"Wir sind jetzt Landschaftsgärtner. Wir bauen uns einen eigenen Garten. Der gehört dann nur uns und die Erwachsenen dürfen hier nicht rein!" So ähnlich haben die beiden sich wohl gefühlt. War ein Geheimnis. Manchmal habe ich sie beim nach Hause holen in diesem wilden Garten nicht wiedergefunden. Jetzt gibt es wieder einen Garten weniger. Schade. 
Es ist doch aber so, dass die Kinder, und ich auch, besser gesagt, die Kinder mit mir, oder auch ich mit den Kindern immer wieder neu wilde Gärten entdecken, am besten geht das mit den Kindergartenkindern, irgendwo unterwegs in der Stadt, wir müssen uns nur gute Schuhe anziehen, was zu trinken und zu essen mitnehmen und eine Regenjacke und in der Hosentasche  ein Gedicht, weil: wenn man ein Gedicht in der Tasche hat, braucht man sich vor nix zu fürchten.

3.1.15

Da draußen unterwegs

Da draußen unterwegs finde ich nichts was mir ähnlich ist, so dunkel und trübe ist es und  dann, wie in jedem Winter,  meine fixe Idee: Und was machen wir, wenn die Bäume im Frühling nicht wieder grüne Blätter bekommen?

2.1.15

Blick aus dem Küchenfenster
Nur noch wenig Schnee
Am meisten auf den Mülltonnen