17.1.15

Wo wohnt Gott?


Die Kinder im Kindergarten würden mir sagen: Im Himmel. Der liebe Gott wohnt im Himmel. Wir Erwachsenen erzählen das den Kindern. Weil wir auch nicht wissen wo Gott wohnt, es auch gar nicht mehr wissen wollen, weil man das so sagt: Der liebe Gott wohnt im Himmel.  Stimmt aber nicht. Es ist nämlich mal ein Astronaut, ich habe seinen Namen vergessen, einer der ersten, der um die Welt gesaust ist, der ist von seiner Reise zurückgekommen und hat gesagt, er wäre ja jetzt da oben im Himmel gewesen, aber einen Gott hätte er da  nicht gesehen und deshalb könnte er uns allen beweisen, dass es Gott nicht gibt. Wie hat er ihn übersehen können? Weil er, wie fast alle Diskussionen der letzten Tage über Religionen, über Gott, davon ausgeht, dass Gott irgendwo da draußen existiert.   Und am Besten ist es natürlich, er existiert im Himmel, weit weg, wo höchstens mal ein Astronaut hinkommt, dann müssen wir ihn hier, jetzt auf der Erde nicht suchen und finden. Was aber, wenn wir die Richtung ändern, wenn wir ihn nicht da draußen, im Himmel  suchen, sondern in uns? Gott als eine Möglichkeit  unser Leben zu leben,  als eine Möglichkeit die in uns allen angelegt ist? Mehr oder weniger. Es käme auf uns an, diese Möglichkeit entstehen und wachsen zu lassen. Ich bin ja kein Buddhist, oder vielleicht doch?, ich weiß es nicht, muss ich das wissen?, aber mir gefällt die Geschichte, dass der Buddha zu seinen Leuten gesagt haben soll: Wenn ihr dem Buddha unterwegs begegnet, tötet ihn. Oder: Seid euch selbst ein Licht. Schau selber hin, übernimm nichts, was irgendwer gesagt sagt. Erich Fromm hat so was einen überprüften Glauben genannt.  Und wenn ich das dann zutiefst verstanden habe,  dann kann ich  Gott überall da draußen entdecken. Überall. Ich muss nicht in den Himmel fliegen. 
Hier drüber eine einfache Zeichnung.  Nichts Besonderes. Ein paar Striche auf Papier. In ein Buch gezeichnet. Keine Kunst. Ein paar baufällige Häuser, mit einer Mauer, die gerade abgebrochen wird. Fenster und Türen. Nichts Besonderes. Warum zeichnen Sie denn nicht mal was Schönes?, fragen mich manchmal Leute. Aber es kommt mir nicht auf die Zeichnung, auf das Ergebnis an, sondern auf das Erlebnis: Zeichnen, ein Bleistift und Papier, ein paar Häuser, der Himmel über mir, Wind, oben in dem Baum drei Krähen, ein Auto fährt vorbei, es regnet, ich werde nicht nass, meine gute Jacke hilft mir, doch ja, irgendwie ist das auch ein Gotteserlebnis, vielleicht wohnt der liebe Gott ja auch in diesen Häusern am Straßenrand. 
Noch was: Die Schneeglöckchen blühen!

1 Kommentar:

Rob Dunlavey hat gesagt…

And then there is the flower and the promise of Spring. Surely God is there. Ideas about God are the reflection of the God within.