30.3.15

Notizbuch vom Garten

Zeichnen. Was zeichnen? Einfach zeichnen. Aufzeichnen. Seit gestern viel Wind. Oder schon Sturm? Die Vögel fliegen wie betrunken um die Bäume. Man muss aber keine Angst um sie haben. Vielleicht macht es ihnen ja auch Spaß. So wie  Kinder mit dem Wind spielen.

Seed Balls, eine Woche alt

28.3.15

Notizbuch vom Garten

Keimblätter, verwelkte Frühjahrsblüten, Gräser, Zweige, Erde, Bleistiftstriche.

26.3.15

Die ganze Erde ist aus Erde gemacht

Gestern habe ich mit den Kindern im Kindergarten seed balls gemacht. Die Woche davor haben wir eine lange Wanderung gemacht und sind auch an einem frisch gepflügten Acker vorbei gekommen. Der sah aus wie ein riesiges Gebirge. Da sind wir dann drüber. Und haben einen Eimer voll Ackererde mitgenommen. Ackererde, Blumenerde, Ton, Sand, Steine, Komposterde, ist das alles was anderes? Ich habe es den Kindern so einfach erklärt, wie ich es verstanden habe: Ackererde ist, wenn man Komposterde mit Ton mischt. Und vielleicht noch Sand rein tut. Das haben wir auch ausprobiert. Je ein Eimer mit Modellierton, Komposterde, Sand und ein Eimer Wasser. Tolle Matscherei! Trauen sich fast alle Kinder. Seed Balls haben wir dann mit Lehmpulver und Blumenerde und feinstem Blumensamen gemacht: Färberkamille, Acker-Goldblume, Ackersenf, Borretsch, Buchweizen, Ringelblume, Heckenzwiebel, Wiesen-Salbei, Hederich, Sonnenblume, Markkstamm-Kohl, Lein, Luzerne, Gelbsenf, Kornblume, Wiesen-Flockenblume, Heckenkälberkopf, Wegwarte, Wilde Möhre, Natternkopf, Johanniskraut, Acker-Witwenblume, Herbst-Löwenzahn, Margerite, Hornklee, Kamille, Gelbklee, Weißer Steinklee, Gelber Steinklee, Esparsette, Saatmohn, Klatschmohn, Nickende Kratzdistel, Pastinak, Gelber Wau, Färber-Resede, Bunte Kronwicke, Rote Lichtnelke, Gemeine Goldrute, Rainfarn, Thymian, Schwarze Königskerze, Kleinblütige Königskerze. Wenn das alles keimt und wächst und blüht, aber hallo! Wir wollen nämlich hinter dem Haus, da gibt es ein 2 Meter breites und 20 Meter langes Stück Wiese und da wollen eine Wildblumenwiese machen.Und warum haben wir den tollen Blumensamen in die Seed Ball gematscht? Genau! Wegen der Vögel. Siehe Bild oben. Hat aber auch mehr Spaß gemacht.  
Noch was: Ich habe die Kinder gefragt, wo eigentlich die ganze Erde immer herkommt? Egal welche Erde. Ich weiß  es nämlich auch nicht.  Keiner von uns hat es rausgekriegt. Und dann sagt ein Kind: Das ist einfach so, weil die ganze Erde ja aus Erde gemacht ist.

15.3.15

a dry garden, ein getrockneter Garten

Ich habe die Blüten sorgfältig in einzelne Teile zerlegt, um sie später wieder so zusammenzubringen, dass die Blüte, die einzelnen Formen gut zu sehen sind. Gepresst und getrocknet erscheint eine Vielfalt von einzelnen Formen. Entdeckungen: die Farben verändern sich, ich glaube Gelb wird gelber, Rot wird dunkel, zu dunkel bis fast schwarz. In den Blättern ganze Pflanzenwelten zu entdecken. Dazu lese ich immer noch Biologiebücher, wissenschaftliche Texte. Analytisches Wissensinteresse, und dazu taucht immer die Frage auf, wozu will ich das wissen? Was fange ich damit an? Goethe fällt mir schon wieder ein: "Im Übrigen ist mir alles verhasst, was mich bloß belehrt, ohne mein Handeln unmittelbar zu bereichern", so ungefähr hat er es wohl gesagt. Erzählen nicht meine undeutlichen Bleistiftkritzeleien auf DIN A 5 mehr von diesen Blüten, Pflanzen, als ein Herbarium, ein getrockneter Garten? Ergänzt sich beides? Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten, der Versuch klassisches Denken und romantisches Denken zusammen zu bringen,  Pirsig noch mal lesen.

11.3.15

Zu viel anderes

Es gibt so viel zu sehen. Aber ich komme einfach nicht zum zeichnen. Zu viel anderes. "Verzetteln Sie sich nicht!" Goethe zu Eckermann.

5.3.15

Devils, Monsters and Nightmares und Rüben

Ich werde bald mit einer Schulklasse der Montessori Schule ein Märchen zeichnen: Der Bauer und der Teufel von den Grimms. Alles was ich mit den Schülern vielleicht mache, mache ich vorher selbst. Dann weiß ich , welche Frei- und Spielräume ich für die Schüler aufmachen kann, wie ich ihre Phantasie und ihre gute Laune auf den Weg bringe. Es soll ehe ein Skizzenbuch sein, was wir machen, nicht so sehr eine 1:1 genaue Illustration. Der Bauer und der Teufel. Wie sieht eigentlich ein Teufel aus? Und das ist für mich das größte Vergnügen, wenn ich mit Texten zeichne. Die Fragen. Das Nichtwissen. Zeichnen als Forschungsmethode. Etwas suchen und finden , was ich noch nicht wusste. Lernspaß. Etwas sehen, was ich noch nie gesehen habe. In eine andere Welt kommen. Wie sieht der Teufel aus? In der Stadtbibliothek habe ich lange nach Büchern gesucht. Das gehört zum Zeichnen schon dazu: In die Stadt fahren und in der Bücherei herumstöbern. Ich habe aber nichts gefunden. Die hatten alles über Hexen, über Teufel nicht. Nur in einem kirchlichen Lexikon ein Hinweis auf das Buch hier drüber und drunter. Habe ich mir bestellt, per Fernleihe. Gestern war es da und am Abend hab ich mir das angekuckt. Was für ein tolles Buch! Viele alte Teufel und Monster Darstellungen. Bosch, Brueghel, Goya, Dürer, Ritter, Tod und Teufel,Lochner, Cranach und viele andere. Ich schau mir das an, mit Papier und Bleistift neben dem Buch, zeichne beim Sehen, nicht abzeichnen, ankucken und verstehen und neu finden. Und Texte lesen, so weit mein Englisch reicht. Und dann entstehen ein ganze Zeit später meine eigenen Teufel. Was ist so eine Arbeit für ein Vergnügen, ein Glück. Irgendwann schau ich auf die Küchenuhr, gleich Mitternacht. So spät ist es geworden. Gedankenverloren, in andere Welt versunken. Jetzt ab ins Bett, bevor dich wirklich der Teufel holt.
Hier drüber: Meine besten Freunde. Schon seit Jahren.
Heute morgen habe ich weitergemacht. "Das Bäuerlein hatte aber Rüben gesät". So heißt es im Märchen. Welche Rüben? Welche Rüben gibt es überhaupt? Ein paar habe ich gefunden, auch in alten Büchern.Soll ich mal ein paar sagen? Runkelrübe, Saatrübe, Steckrübe, Wasserrübe, Zaunrübe, wilde Rübe, Zuckerrübe, Karotte, Rettich, rote Rübe, Futterrübe, schwarze Rübe, Speiserübe, Kohlrübe, Pastinaken und Knollensellerie (sind auch Rüben, wusste ich nicht), Mairübe, Teltower Rübchen, Pflatterer Rüber (Pflatter=Dorf in Bayern), Herbstrübe, bayerische Rübe, Wruke, Butterrübe, Erdkohlrabi, schwedische Rübe, Dotsche (hab ich nicht rausgefunden, was das ist), Wurzelpetersilie, Knollensellerie, rote Beete (bäh!),  Rahner, Mangold (sehr lecker, ich fahr jetzt einkaufen, mal sehen ob es welchen heute zum Mittagessen gibt):

4.3.15

Seit dem Herbst

arbeite ich viel im Garten. Und dann habe ich ein altes Biologiebuch von Amon gefunden. Aus der 5b. Jahre her. Biologieunterricht. Wie heißen die Teile der Pflanzen, welche Blütenstände gibt es, welche Sträucher sind einhäusig, welche zweihäusig? Habe ich aus meinem Biologieunterricht alles vergessen? Oder besser: Hatte ich überhaupt Biologieunterricht? Und dann lese ich Gärtnerhandbücher. Ich weiß jetzt wie man Rosen schneidet und Forsythien und die Zaubernuss und dass sich die Schneeglöckchen in unserem Garten in einem Jahr verdoppeln. Lernen, eine große Freude. Und all dieses exakte Wissen hilft mir dann dabei unseren Garten in einen verwilderten Garten zu verwandeln. Ordnungen lernen, um ein Durcheinander zu gestalten. Welchen Plan braucht ein verwilderter Garten. Ich will nach draußen gehen und mich vom Garten überraschen lassen. Mal sehen was heute passiert ist. Ja, und dann habe ich wieder angefangen ein neues Herbarium zu machen.