24.7.15

Als das Wünschen noch geholfen hat

Gestern war ich wieder mal mit dem Fahrrad in meinem Wald unterwegs. Häuser zeichnen. Häuser die sich im Wald verstecken. Man fährt einen einsamen Waldweg, hohe Laub- und Nadelbäume, schattig und kühl ist es, Sonnenflecken auf dem Weg und plötzlich ein Zaun. Mitten im Wald ein Zaun? Dann 150 Meter weiter ein Tor, ein Eingang. Dahinter mäandernd ein Weg. Wo geht der hin? Und da sieht man zwischen den hohen, dichten Bäumen ein paar Fenster. Ein Haus mitten im Wald! Versteckt! Wenn man weitergeht, sieht man noch ein anderes Stück von dem Haus, zwischen den Bäumen, eine Tür, einen Holzstapel, Fenster mit schweren Fensterläden. Ich zeichne merkwürdigerweise zuerst das ganze Haus, wenn ich es nicht ganz erkennen kann, erfinde ich das Ganze und dann erst den Wald drumherum, das heißt, ich verkritzele die Hälfte von dem was ich vorher gezeichnet habe. Muss man das so machen? Keine Ahnung. Und weil mir das Tor nicht gefällt, fahre ich weiter und zeichne das Tor vom nächsten Waldhaus. Und dann, wie immer wenn ich so ein Waldhaus sehe, frage ich mich: Was wenn du da wohnen würdest? Wie wäre das? Dann fällt mir aber keine ganze Geschichte ein. Es gibt nur dieses lustige, aufgeregte Gefühl, dass wenn ich in so einem Waldhaus wohnen würde, mein Leben ganz anders wäre. Vielleicht traumhaft, märchenhaft? Vielleicht könnte man in so einem Waldhaus ein Märchen erleben. Halt! Welches Märchen denn? Von einem der auszog das Fürchten zu lernen? Solche Märchen gibt es ja auch! Ja, es gibt aber auch solche Märchen, wo einer ein Geheimnis entdeckt, ein schönes Geheimnis, einen Schatz zum Beispiel. Auf jeden Fall würde ich, wenn ich morgens in so einem Haus aufwachen würde, würde ich als Erstes die Fensterläden öffnen und dem Wind in den Bäumen zuhören. Mehr fällt mir nicht ein. Aber es bleibt das Gefühl, dass das was Schönes, Abenteuerliches wäre. Ich glaube wegen dieses Gefühls fahre ich da zum Zeichnen hin. Nun kenne ich mich ein bisschen. Wie viele Sachen habe ich mir schon gewünscht, was habe ich mir schon alles als schön vorgestellt und als ich es dann hatte, als ich da war, als ich es konnte, war es ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Kommt nicht die Hälfte des ganzen Unglücks in der Welt daher, dass wir glauben, was wir uns so sehnlichst wünschen, müssten wir auch Wirklichkeit werden lassen? Und dann haben wir es und merken, das ist es doch nicht. So habe ich mir das nicht vorgestellt! Zugegeben, die andere Hälfte des Unglücks in der Welt kommt daher, dass wir uns eben nicht aufmachen und unsere Wünsche verwirklichen. Und wie merke ich den Unterschied? Wie weiß ich jetzt, ob ich wirklich mitten im Wald wohnen will oder ob mir das Haus als Wunschphantasie reicht? 
Auf dem Nachhauseweg habe ich mich ein bisschen verfahren, meine Güte, so groß ist dieser Wald doch gar nicht! Als ich dann aus dem Wald raus kam, war da ein weites Weizenfeld, goldockergelb in der Sonne und am Horizont waren neben einer Kirche ein paar Häuser, einfache schlichte Einfamilienhäuser und da merk ich, wie ich plötzlich aufatme.

Kommentare:

Rob Dunlavey hat gesagt…

A house is a mirror and a container of fantasies, future memories… Beautiful drawings Klaus. And your thoughts… Wow!

Klaus von Mirbach hat gesagt…

Rob, thank you, glad you like it.