30.11.15

Wer zeichnet eigentlich, wenn ich zeichne?

Eigentlich wollte ich gar nicht so zeichnen. Ich wollte auch nicht diesen Weg gehen. Mieses Wetter und schlechte Laune. Und dann geh ich am Bahndamm entlang! Schlimm! Fange an zu zeichnen, und auf dem Papier entsteht was, und eigentlich hatte ich mir was ganz anderes vorgenommen, aber dann entsteht was, und was?, schau mal zu, wie es zeichnet!, lass es mal so, also, wer zeichnet eigentlich wenn ich zeichne?   

28.11.15

Bilder und Geschichten von Engeln

Vier Tage war ich jetzt in der Montessori Grundschule. Bilder und Geschichten von Engeln. Was ist das, ein Engel? Gibt es die in Echt? Wenn es die nicht gibt, wie sehen die dann aus? Hat schon mal jemand was erlebt, wo ein Engel dabei war? Hat zu dir schon mal jemand gesagt: Du bist ein Engel? Oder: Dich schickt der liebe Gott? So was habe ich die Kinder gefragt, über so was haben wir uns was erzählt. Und dann habe ich die Fragen und die Antworten an die Kinder frei gegeben: Jeder eine Geschichte, ein Bild , wo ein Engel mitspielt. Großartig und überraschend, wie verschiedenartige Geschichten entstanden sind. Immer auch Geschichten, wo einer gestorben ist und ein Engel hat ihn zu Gott in den Himmel gebracht.  Das auf der Wolke ganz oben ist mein Opa, der passt jetzt auf mich auf.  Und warum hat der schwarze Flügel? Ja, weil das  traurig ist, dass der gestorben ist und ausserdem kann ich den dann besser von unten sehen. Ein paar böse Engel gibt es in jeder Klasse. Einmal gruselige Gestalten, virtuos gezeichnet, wie Aliens, zerfetzte Gerippe, in schwarz, unkenntlich die Gesichter und später erst zeichnen die Jungs die Guten dazu. Und die gewinnen dann auch den Kampf. Gott sei Dank.  Einige Kinder zu Anfang zögerlich: Kann ich denn auch zuerst ein Bild malen und dann eine Geschichte schreiben? Mir fällt noch nichts ein.  Ich merke, immer steht dahinter: Ist das richtig so? Ich sage dann flapsig und falsch: Wir machen hier ein echtes Kunstprojekt, da kann man gar nichts richtig oder falsch machen. Auch keine Rechtschreibfehler? Ne, die auch nicht. Alles was du jetzt machst, ist toll. Auch ein Krikelkrakerlbild mit Quatschgeschichte? Mir würde das gefallen, sage ich dann. Aber würde es dir auch gefallen? Ne!   So sage ich das. Aber nicht nur den Kindern. Immer wieder, immer noch muss ich das auch mir sagen: Richtig und Falsch gibt es jetzt nicht. Woher habe ich das, wer hat mir gesagt, ein Bild eine Geschichte könne richtig oder falsch sein? Die Schule? Die Eltern? Die Erwachsenen? Eine Geschichte darfst du erst schreiben, wenn du die Rechtschreibung beherrschst. Malen, zeichnen erst wenn du richtig zeichnen kannst. Perspektive, Licht und Schatten, Farblehre. Ich kenne Erwachsene die laufen schon seit Jahren zum Malunterricht, ohne jemals sich auf die Suche nach einem eigenen Bild gemacht zu haben. Und Leute die Jahrzehnte lang Tonleitern üben, ohne bei zum Beispiel einer Weihnachtsfeier Oh du Fröhlich zu begleiten. Und jetzt die vier Tage in der Schule, in vier verschiedenen Klassen, seh ich, wie reich, wie anarchistisch, wie überraschend die Phantasie der Kinder ist, wenn man gleich zu Anfang einen Freiraum einen Spielraum aufmacht, wo alles möglich ist, toll ist, gesehen und bestaunt wird, wo oft laut gelacht wird . Und geweint: Mein Hund ist gestorben. Is schon lange her, aber ich muss immer noch weinen, wenn ich an ihn denke. Alle haben das verstanden. Keiner hat gelacht über den der in der Klasse weint.       

27.11.15

Gartentrottel

"Eine Königskerze! Jetzt! Ich meine heute! Heute hab ich sie entdeckt" 
"Schön, Klaus." 
"50 Zentimer hoch. Zwei große gelbe Blüten. Im Winter, stell dir mal vor!" 
"Ja, Klaus, is schön, aber hat es ja bestimmt schon mal gegeben."
"Die blüht jetzt, also heute, ich meine heute habe ich sie entdeckt, hinter dem abgeblühten Sommerflieder, eine kleine Königskerze. Die wächst da bestimmt schon länger. 50 Zentimeter hoch!"
"Boah, kannste jetzt mal aufhören, mit deiner Königskerze!"
Wenn man eine Zeit lang im Garten gearbeitet hat, dann wird man irgendwann unvermeidlich ein fröhlicher Volltrottel. Gut so. 

26.11.15

Danke lieber Gott!

Heute morgen in der Montessori-Schule. Geschichten und Bilder von Engeln. Zwei Jungs haben zusammen gezeichnet: Ein großes Schloß, in dem Schloß auf einem Thron ein Mann mit langem weißen Bart und einem Heiligenschein. An der Schlosstür ein Mann mit Flügeln, hat eine große Umhängetasche um mit der Aufschrift DHL, in der Hand ein Paket. 
"Na, was ist denn da los?", frage ich die Jungs. 
"Das ist ein Engel, der bringt dem lieben Gott ein Paket." 
"Was denn für ein Paket?" 
"Ein Paket von den Menschen." 
"Das ist ja toll", sage ich. "Die Menschen schicken dem lieben Gott ein Paket! Und was ist da drinne?" 
"Da sind Geschenke von den Menschen drin, weil die wollen dem lieben Gott danke schön sagen, weil der doch die Welt erschaffen hat."
Genau, danke lieber Gott, hab ich gedacht, danke für so einen schönen Schreib- und Zeichnen-Vormittag in der Schule. 

22.11.15

Trivia und Varia= wissenswerte Kleinigkeiten

Morgen geht ein Projekt an der Montessori Schule los. Fast alle Klassen machen mit. Bilder und Geschichten von Engeln. Am 18. Dezember ist eine Ausstellung, die ganze Schule ist für Besucher geöffnet, ein Tag im lebendigen Adventskalender der Stadt, d.h. an jedem Tag im Advent geht in der Stadt eine Tür auf und man kann in das Haus, das Gebäude rein und sich was ansehen, anhören und am 18. Dezember ist die Montessori Schule geöffnet. Ich hab vorab immer ein paar Leuten von dem Projekt erzählt und habe dann gefragt, ob sie denn schon mal einen Engel gesehen haben, oder was erlebt haben, wo vielleicht, wenn es sie denn wirklich gibt, ein Engel mitgespielt haben könnte, ob also etwas Wunderbares, nicht Erklärbares geschehen sei. Eine Frau erklärte mir, dass wir Menschen die Engel nicht sehen könnten, aber die Tiere würden sie sofort erkennen. Die Frau hat zwei Hunde. "Immer wenn die Engel sehen, dann setzen die sich ruhig hin, schauen den Engel an und lächeln." Na gut. Ein anderer machte den Vorschlag, das Projekt in der Psychatrie zu machen, da wären mehr Leute mit solchen Erlebnissen zu finden. Ein anderer sagte: "Meine Frau." Auch nicht schlecht. Ja, und zwischendurch, in den letzten Tagen passiert ungeheuer viel zwischendurch, d.h. ich bin wieder mal total verzettelt, is aber auch schön, wo war ich, ach ja, zwischendurch fragt mich meine Pauline, ob ich ihr nicht mal zeigen könnte, wie man Donald Duck malt, zeichnet, sage ich dann, ja ich weiß sagt sie, zeig mir das doch mal, es ist mir peinlich, ich kann das wirklich, also warum nicht und dann am Abend irgendwann war ich müde und habe aus dem Donald Duck einen Schutzengel für einen seiner Enkel gemacht: "Onkel Donald, kanns du nich mit mir mal ne Runde um die Welt fliegen?" Eigentlich kann der Donald kein Schutzengel sein, der bräuchte viel mehr selber einen. Na ja. Noch was: Am Donnerstag habe ich mit ein paar Jungs ausm Kindergarten ein Hochbeet für den Garten draußen gebaut, d.h. die haben das fast ganz allein gebaut, mit einer Bohrmaschine, Akkuschrauber und einer Stichsäge. 5-6 Jahre alt und die können das! Große Klasse! Ich bin sehr stolz auf euch!  Man muss denen das nur zutrauen, dann machen die das fast alleine. Ich mittendrin, wie ein Räuberhauptmann. Fehlte nur noch ein Kasten Bier, dann wäre es ne echte Schreinerei gewesen. Bilder ganz unten. Bis bald. 

13.11.15

Skizzenbuch

Fertig? Ne! Aber ich hab das Gefühl, wenn ich jetzt weitermache, geht was kaputt. Manchmal ist aufhören schwieriger als anfangen.

12.11.15

Schuhe putzen

Schuhe putzen als eine Möglichkeit in die Mitte gegangen zu werden.

6.11.15

Nachrichten

Was soll man dazu sagen? Keine Ahnung. Vielleicht hat es was mit den Nachrichten zu tun. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls ist es nicht gut sich am Abend 3 Stunden über die Flüchtlingskrise zu informieren. Schlimm. 

2.11.15

Herbstsonnenwind

Gestern hatte der Toni Geburtstag, da habe ich noch mal eine Wanderung gemacht. 15 Kilometer. Das heißt gestern hat mich meine Liebste bis an den Waldrand mitgenommen, da musste ich nicht die Autostraßen entlang durchs Gewerbegebiet und die Stadt. 5 Stunden bin ich sonst unterwegs, gestern nur 3 Stunden. Herbstsonnenwind! Vor einem Monat bin ich die Strecke zuletzt gegangen und da habe ich gedacht, ach, jetzt gehst du den Weg zum letzten Mal in diesem Jahr. Jetzt wir es kalt, da wird die Wanderung nicht so schön. Und gestern habe ich wieder gedacht: Schau dir noch einmal alles an, erst im Frühling wirst du wieder hier sein! Und wenn ich einmal gehe wenn Schnee liegt? Das wär doch was. Auf dem Waldweg bin ich ganz alleine. Eine Stunde gehen und niemand begegnet mir. Nur zwei Fahrradrennfahrer haben mich überholt. Mit Helm und greller Funktionskleidung. Das Haus Waldfrieden ist immer noch verlassen, da mache ich dann eine kleine Pause. Und dann komme ich die Straße zum Toni entlang, sehe von weitem schon das Haus, und wer steht davor und hat auf mich gewartet, meine Liebste: Da bist du ja!