1.2.16

Sei so einfach wie möglich, aber entferne nicht die Poesie von den Dingen.


Ein japanischer Teehausgarten. Der Weg zum Haus mit Steinen gepflastert. Natursteine, große Trittsteine. Die Steine sehr achtsam gelegt, so dass man auch sehr achtsam den Weg gehen muss. Eine Gehmeditation, Vorbereitung auf die Teezeremonie. Wenn man nicht achtsam geht, wird man stolpern. So werden will ich mit den Kindern im Kindergarten einen kleinen Weg machen, japanisch, aber wir haben keine Natursteine, dann nehmen wir eben die Steine , die da sind. Ein Weg der holprig ist, nicht gerade ist, wo Wasser stehenbleiben wird, der vielleicht in einem Jahr ausgebessert werden muss. Ist es nicht schön, dass wir was machen, was man dann irgendwann reparieren kann? Die Kinder machen mit. Aber die Erwachsenen melden schon erste Bedenken an: Da können die Kinder aber nicht gut mit den Rädern durchfahren! Immer perfekt und langweiliger werden unsere Wege, wie Autobahnen, gerade, kilometerweit einsichtig, ohne jedes Geheimnis, wie mag es wohl um die Ecke weitergehen? Was kommt denn da noch? Bequem und übersichtlich soll alles sein. 
 In der Stadt hat das Grünflächenamt in einem Park am Rand alle Sträucher abgesägt, ausgegraben, brutal mit Schaufelbaggern und tonnenschweren Zerhackern, Dinosaurier, die alles in einem Vormittag kaputtmachen. Was bleibt: Bäume, ein vermatschter Boden und ein freier Blick auf die parkenden Autos. In der Zeitung steht, ein paar Leute hätten sich beschwert, dass der Park durch die Büsche zu unübersichtlich wäre. Freier Blick auf die Straße und den Autolärm hört man jetzt auch besser. Und so wie die Wege im Garten, die Wege da draußen so wollen die Menschen auch leben.
Die beiden Bilder hier drunter habe ich mir bei Robert Ketchell geliehen, der ein großartiges Blog schreibt, tolle Bilder, ich schau mir das Blog gerne an, verstehe und lerne viel, auch wenn ich keine japanischen Gärten mache und meine Wege anders aussehen, im Wesentlichen aber genau dasselbe meinen.

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