13.3.16

Hilfe, ich kann nicht mehr zeichnen! Teil 2: Die Rettung.

Ich war beim Doktor. Du musst mir helfen, ich kann nicht mehr zeichnen, habe ich zu ihm gesagt. Wir duzen uns, wir kennen uns schon lange und aus vielen endlosen Gesprächen hatte er sich meine Erklärungen gemerkt, dass das Zeichnen mit dem Sehen zu tun hat und er schicke mich sofort zum Augenarzt. Vielleicht hatte er auch ganz einfach keine Zeit für eine gründliche Untersuchung. Ganz bestimmt sogar. Der Augenarzt hatte auch keine Zeit. Ihre Augen sind vollkommen in Ordnung, sagte er, aber wie Sie vielleicht wissen, sieht man nur mit dem Herzen gut. Und jetzt? Der Augenarzt gab mir eine Überweisung zum Psychotherapeuten. Der hatte komischerweise Zeit und ich bekam sofort einen Termin. Bevor ich mit der Behandlung beginne, sagte er, würde ich gerne Ihre Zeichnungen aus der Zeit sehen, als Sie noch zeichnen konnten. Ich zeigte ihm mein Zeichenbuch, das ich immer im Rucksack dabei habe, er blätterte das Buch durch und sagte dann: Ich will ehrlich zu Ihnen sein, sagte er, Sie konnten noch nie richtig zeichnen. Da will ich aber mal lieber eine zweite Meinung einholen, sagte ich und verließ sofort die Praxis. Draussen auf dem Bürgersteig waren Kinder, die mit Straßenkreide ein paar Sachen total durcheinander auf das Pflaster gemalt hatten. Jetzt standen sie nachdenklich um ihre Bilder herum und als sie mich sahen, sagte ein kleines Mädchen zu mir: Wissen Sie vielleicht wie ein Pferd geht, weil uns fehlt auf dem Bild noch ein Pferd. Ja sicher, weiß ich wie ein Pferd geht, und sofort wurde ich auch wieder ein Kind und konnte wieder zeichnen. 

1 Kommentar:

Bertie hat gesagt…

ich bin froh dass du wieder in Ordnung :-)