2.6.16

Resonanz

Jetzt regnet es seit wieviel Tagen? Im Garten arbeiten geht nicht. Aber zwischen dem Regen gehe ich einmal raus, kucken was passiert ist. Mit Papier und Bleistift. So viel Neues hat der Regen gebracht, alles wächst in die Höhe, neue Pflanzen, neue Farben und Formen, Pflanzen, die ich nicht gesät, gepflanzt habe, die ich nicht kenne.  Lass das Geheimnis auch sein, erforsche nicht, was es sein könnte und lerne auf keinen Fall den lateinischen Namen, sei kein Botaniker, schaue einfach. Herrlich. Und wie das zeichen? Es geht nicht ums Zeichnen! Es geht ums Sehen, ums da sein, ein Versinken in die Dinge. Und dann habe ich gestern Abend wieder einmal zwei Seiten gelesen in "Resonanz", Hartmut Rosa, Eine Soziologie der Weltbeziehung, zwei, drei Seiten nur, mehr schaffe ich nicht, und da auf Seite 385 zitiert Hartmut Rosa Merleau Ponty: "Zwischen ihm (dem Maler, HR) und dem Sichtbaren kehren sich die Rollen unweigerlich um. Eben deshalb haben so viele Maler gesagt, daß die Dinge sie betrachten, wie Andre Marchand nach Klee bemerkt: In einem Wald habe ich zu wiederholten Malen empfunden, daß nicht ich den Wald betrachte. An manchen Tagen habe ich gefühlt, daß es die Bäume waren, die mich betrachteten, die zu mir sprachen. Ich war da und lauschte nur (.....). Es gibt tatsächlich eine Inspiration und Expiration des Seins, ein Atmen im Sein, eine Aktion und Passion, die so wenig voneinander zu unterscheiden sind, daß man nicht mehr weiß, wer sieht und wer gesehen wird, wer malt und wer gemalt wird."
Na ja, irgendwie so fühlt es sich an, da draußen im Garten, zwischen dem Regen, sehen, gesehen werden, zeichnen, Wind, Vögel, Sommerregenduft, Kirchenglocken weit weg, Autogeräusche.  

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