5.12.17

Lobgesang auf das Papierschöpfen

Heute morgen, aus reiner Langeweile, habe ich drei hellgrüne Eierkartons zerrissen, kleine Stücke, mit Wasser pürriert, eine feine Erbenssuppe wars dann und dann habe ich wieder einmal Papier geschöpft. Papierschöpfen ist eine total blöde, sinn- und nutzlose Tätigkeit.  Mir fallen jetzt schon 20 Leute ein, die mich das fragen werden: Warum machen Sie das? Was machen Sie denn mit dem Papier? Kann man darauf schreiben? Zeichnen? Malen? Sie bekommen doch in jedem Supermarkt viel besseres Papier, 500 Blatt für 2,34 Euro. Und dann weiß ich wieder mal keine Antwort.
Ich habe ein bisschen Buchbinderleim in die Pulpe gerührt, einen Esslöffel voll,  fühlt sich kühl und weich an, der Brei in der Wanne, ein bisschen kriege ich wunderbar kalte Finger beim Schöpfen, das Sieb senkrecht eintauchen, umdrehen, langsam das Sieb auftauchen lassen, hören wie das Wasser aus dem Sieb zurück in die Wanne tropft, jeder Tropfen hört sich merkwürdigerweise anders an, dann hört das Tropfen auf, abgautschen, gleich der erste Versuch: ein japanisch dünnes hellgrünes Papier!  Prima! Eine Suppenkelle Pulpe nachfüllen, dann nochmal schöpfen und nochmal, und dann weiß ich wie es geht, finde einen Rhythmus, vergesse die Zeit, stelle mir vor wie vor hunderten Jahren genauso oder so ähnlich jemand Papier gemacht hat, ich staple die nassen Tücher, baue mit zwei Ziegelsteinen eine Presse, 20 Blatt Papier sind es geworden, aus drei hellgrünen Eierkartons. Und jetzt? Was mache ich mit dem Papier? Mache ich ein kleines Faden geheftetes Buch daraus? Mit aller Buchbinderkunst? Oder ist das Machen, das Papierschöpfen alleine, der Vorgang, für sich schon genug um glücklich zu werden? Autotelisches Tun? Ich habe in einer großen Tüte noch getrocknete Blätter von einem Maisfeld hier um die Ecke. Vielleicht langweile ich mich morgen schon wieder.

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