31.1.18

Zeichnen, Kopfweiden schneiden, Schönheit und Freude durch Zeichnen.



Nochmal zu gestern: Kopfweiden schneiden. Im Kindergarten. Da mag wohl manche Erzieherinkollegin gedacht oder gesagt haben: "Da hat der Klaus aber schön schön was abgesäbelt. Muss man aber mal machen. Und im Frühjahr sieht das ja wieder schön aus. Das wächst ja wieder". Viele Leute  sagen ja, ach lass die Bäume und auch die Sträucher, die Blumen so wachsen wie sie wachsen. Und eingreifen tun wir nur, wenn nach einem Sturm die Bäume gefährlich werden. Wie jetzt.   Einen wilden Bionaturgarten wollen die meisten haben. Ich auch. Aber das ist eine Gestaltungsaufgabe Leute!  Ich habe mir lange genau angesehen, wie die japanischen Gärtner ihre Niwaki Bäume schneiden und die Bücher von Jake Hobson sind toll, aber mir gefallen diese strengen Formschnittgehölze, diese geometrischen Bäume gefallen mir nicht. Und  diese witzigen Mickymousefiguren , Bären und Hunde und Katzen aus Buchs geschnitten sind mir ein Greuel. Aber Kopfweiden richtig geschnitten finde ich toll. Erinnern mich an was. Machen Tagträume möglich. Abwesenheiten vom Lärm der Hauptstraßen. Heute morgen habe ich mich hingesetzt und habe aus der Erinnerung die Kopfweidenköpfe von gestern nochmal gezeichnet. Habe mich an einen meinen Lehrer, Gerhard Gollwitzer, erinnert: "Schon mehrmals haben wir zum Gestalten gemahnt und vor dem Ab-zeichnen, der Natur Abschrift gewarnt. Es kommt uns also offenbar auf eine andere Richtigkeit als die des fotoähnlichen  Abbildes an. Richtig ist deine Zeichnung  dann , wenn sie dir geholfen hat, mehr zu sehen, wenn du "inwendig voller Figur" geworden bist, wie Dürer sagte......Dies alles ist oft reiner zu erreichen durch Zeichnen aus der Vorstellung. Vor der Natur gerät man leicht in Selbstbetrug. Man zeichnet nicht die inwendige, sondern die außenwendige Figur, nicht das was man erlebt hat, sondern das, was man vor sich sieht, nicht das Wesentliche , sondern das Zufällige." Gerhard Gollwitzer, Freude durch Zeichnen, 1953, Seite 76.  
Gestern bei der Arbeit und heute morgen beim Zeichnen habe ich gesehen, wie schön diese Kopfweiden sind. Es geht also nicht um gärtnerische Richtigkeiten, um Nützlichkeit und Ordnung, um muss-man-machen, sondern es geht um Schönheit. Und das wäre dann die Aufgabe eines Künstlers, eines Schriftstellers,  Musikers, Malers, Zeichners, Tänzers die Schönheit in den einfachen Dingen zu erkennen, wahrzunehmen und  andere da drauf hinzuweisen. Das ist mir gestern noch nicht gelungen.

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