29.3.18

Kiss me quick and go

Ich habe das Kräuterbeet im Kindergarten neu bepflanzt. 11 verschiedene Kräuter im Internet bestellt von der Staudengärtnerei Gaissmayer. Lavendel kenne ich, ich weiß auch wie Thymian riecht und Salbei, aber ein paar Kräuter kannte ich nicht. Noch nicht. Also googlen. Zitroneneberraute, lat. Artemisia abrotanum. Ich zeichne dann die Pflanze nach verschiedenen Abbildungen, Fotos und am liebsten nach alten Illustrationen, suche so was wie einen Bauplan der Pflanze, lerne sie auswendig, wie sie wächst, wachsen könnte, zeichne dann auswendig und irgendwann kenne ich die Pflanze, auch wenn sie dann draußen in echt wieder anders aussieht. Und dann bin ich neben den Abbildungen auf unzählige Geschichten gekommen, welche Wirkungen die Pflanze hat, wozu sie gebraucht wurde, wie ihr Name entstanden ist. Im englischen heißt die Eberraute "maidens ruin", d. h. man glaubte, wenn man einer Frau, einer Jungfrau so einen Zweig der Eberraute in das Schürzenband steckte, dann konnte man sie dadurch verführen. Aber die Beziehung hielt nicht lange. Deshalb hieß die Eberraute auch : "Kiss me quick and go". Eine andere Geschichte kommt aus dem Schwarzwald. Die Frauen haben sich aus der Eberraute ein Blumensträußchen gebunden und haben es mit in den Gottesdienst genommen. Die Eberraute duftet sehr stark nach Zitrone und damit konnten die Bäuerinnen ihren Stallgeruch überduften. Deshalb hieß die Eberraute auch "Kirchenseife". Andere sagen, der intensive Duft verhinderte, dass man während der langen und langweiligen Predigten einschlief. Noch ne Geschichte: Wenn man die Asche der Eberraute mit altem Salatöl vermischt und sich so was auf sein kahles Haupt streicht, dann wachsen einem wieder Haare. Ich erzähle das jetzt so lustig, ich würde keines dieser Rezepte ausprobieren, auch nicht die unzähligen  medizinischen, aber was mir in den zwei Stunden forschen aufgefallen ist,: Was war das für ein magisches , verzaubertes Verhältnis, dass die Menschen früher zu den Pflanzen hatten. Wie sind diese Geschichten entstanden, die wir heutigen als Aberglauben abtun? Wie viel Staunen und Wundern, welche Bedeutung, welche Wichtigkeit hatten solche Pflanzen damals für die Menschen?  Und wie uninteressiert sind wir heute oft, und nur ein paar Spezialbotaniker wissen was davon. Ist uns da nicht was verloren gegangen? Nicht nur was die Pflanzen angeht? Die Dinge, das Leben, die Welt überhaupt? Müssten wir  uns nicht die Wiederverzauberung der Welt zur alltäglichen Aufgabe machen? Mehr Poesie, mehr Bilder und mehr Musik, mehr Tanz, als all diese Erklärungen, youtube läuft über davon, wie man etwas macht und wie man etwas dann auch ganz, ganz richtig macht. Sogar wissenschaftlich richtig. Morgen kucke ich mir an: Hyssopus officinalis "Albus"

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